Uni-Kommission: Kultursminister Bernd Althusmann darf seinen Doktortitel behalten

Rüffel – aber keine Strafe

Da freut er sich: Bernd Althusmann ist weiter ein Doktor. Bei seiner Arbeit habe er nicht betrogen, so die Kommission. Foto: dpa

Potsdam/Hannover Die beiden Weihnachtsmänner erhoben ihre Ruten und wiesen den niedersächsischen Kultusminister freundlich zurecht. „Wann gibt es wieder Weihnachtgeld?“, wollten die zwei verkleideten Lehrer von CDU-Mann Bernd Althusmann wissen. Dann überreichten sie ihm gestern morgen auf der Jubiläumfeier des Verbandes Erziehung und Wissenschaft (VBE) in Hannover einen kleinen Adventskalender. Das größere Geschenk hatte der Minister aber wenige Minuten zuvor bekommen: Die Universität Potsdam teilte ihm persönlich mit, dass er seinen Doktortitel behalten dürfe. Einen Plagiatsvorwurf könne man ihm nicht machen.

Später, nachdem die Uni ihre Botschaft offiziell bekanntgegeben hatte, stellte sich der 44-Jährige den Medien in Hannover – sichtlich erleichtert. „Meinen Aufgaben als Kultusminister werde ich jetzt unbeschwerter fortsetzen können“, meinte Althusmann, kündigte gleich Reformen bei der Lehrerfortbildung und Schulinspektion an und versprach lächelnd eine vernünftige Lösung bei den Hilfskräften für das Nachmittagsangebot an Ganztagsschulen. Ein hörbares Aufatmen war aus der Staatskanzlei zu vernehmen. Althusmann gilt als Vertrauter von Ministerpräsident David McAllister (CDU) und gehört im schwarz-gelben Kabinett zu den Leistungsträgern. Der Verlust des Doktor-Titels hätte unabsehbare Folgen für die Regierung nach sich gezogen – knapp 14 Monate vor der Landtagswahl.

Schlampig zitiert, aber nicht bewusst getäuscht, lautete das Urteil der Prüfungskommission, die Althusmanns Dissertation „Prozessorganisation in der öffentlichen Verwaltung“ unter die Lupe genommen hatte. „Insgesamt handelt es sich um Mängel von erheblichen Gewicht“, las der Vorsitzende des Gremiums, Tobias Lettl, dem Lüneburger Politiker die Leviten. Aber eben nicht schwer genug, um ihm Betrug oder zumindest Diebstahl geistigen Eigentums vorzuwerfen.

„Keine Meisterleistung“

Das Verfahren auf Aberkennung der Promotion werde eingestellt, beschloss die siebenköpfige Wissenschaftler-Kommission einstimmig. Gleichzeitig kritisierte die Uni ihre Professoren, die Althusmanns Arbeit trotz der erkennbaren Fehler durchgewunken hätten.

„Ich bin nicht titelverliebt“, erklärte Althusmann. „Aber nach dem einstimmigen und einhelligen Votum der Potsdamer Uni sehe ich keinen Anlass, darüber nachzudenken, den Titel nicht weiter zu tragen.“

Er wisse, dass seine 2007 eingereichte Dissertation keine Glanzleistung sei, dies komme ja auch in der mageren Note „rite“ („ausreichend“) im wahrsten Sinne des Wortes zum Ausdruck. Ob er die Arbeit jetzt noch einmal nachbessern werde, ließ der Minister allerdings offen.

Von Peter Mlodoch

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