Russischer Patriarch: "Machtführung lügt!"

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Patriarch Kirill

Moskau - Das Kirchenoberhaupt der orthodoxen Christen in Russland hat der Machtführung in Moskau Lügen vorgeworfen und vor einer Zunahme der Proteste im Land gewarnt.

„Die Aufgabe besteht darin, dass die Proteste, die eine richtige Meinungsäußerung sind, zur Korrektur des politischen Kurses führen.“ Das sagte der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview der Sendung „Westi Nedeli“ (Wochennachrichten) im Staatsfernsehen.

Dass die Führung bisher nicht auf die Demonstrationen in Russland reagiert habe, sei ein „sehr schlechtes Zeichen, ein Zeichen der Unfähigkeit der Machthaber zur Selbstregulierung“, sagte der einflussreiche Geistliche. „Wahrheit entsteht, in dem Lügen aus dem Leben verschwinden“, betonte Kirill.

Das Kirchenoberhaupt hatte sich bereits in der Vorwoche mit ähnlichen Warnungen zu Wort gemeldet. Die Kirche spüre unter ihren Gläubigen eine wachsende Proteststimmung, sagte Kirill. Er warnte vor einer Revolution, wie sie Russland etwa 1917 durchgemacht habe. Erneut forderte er die Machtführung deshalb zum Dialog auf.

Regierungschef Wladimir Putin, der bei der Präsidentenwahl am 4. März für eine dritte Amtszeit kandidiert, hatte erklärt, dass er bereit sei zu Gesprächen, aber dafür keinen Partner sehe. Für den 4. Februar haben Putin-Gegner erneut Massenproteste in Moskau angekündigt. Zum russisch-orthodoxen Glauben bekennen sich etwa 60 Prozent der mehr als 140 Millionen Einwohner Russlands.

dpa

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