Im Hungerstreik

Drastische Verschlechterung bei Alexej Nawalnys Zustand - Vertraute sprechen von „Einer Frage von Tagen“

Alexej Nawalny meldet sich auf Instagram zu Wort, seine Ärzte schlagen Alarm. Der Oppositionelle aus Russland werde medizinisch nicht angemessen versorgt.

Moskau - Nach Angaben seiner Anwälte erhält Alexej Nawalny nach seiner Verlegung in ein Gefängniskrankenhaus keine angemessene medizinische Versorgung – und das, obwohl der Kreml-Kritiker gesundheitlich bereits schwer angeschlagen sei. So forderte seine Anwältin Olga Michailowa am Dienstag (20.04.2021) nach einem Besuch bei ihrem Mandanten eine Verlegung in ein „ziviles Krankenhaus“ in Moskau.

Seit drei Wochen befindet sich der inhaftierte Nawalny in einem Hungerstreik, um eine angemessene medizinische Versorgung zu erkämpfen. Am Sonntagabend (18.04.2021) wurde der russische Oppositionelle aus dem Straflager Pokrow in ein Gefängniskrankenhaus auf dem Gelände eines anderen Straflagers in der Region Wladimir in Russland gebracht. Dort bezeichnete die Gefängnisbehörde Nawalnys Zustand noch als „akzeptabel“.

Anwältin beklagt medizinische Behandlung von Alexej Nawalny in Russland

Nawalny selbst meldete sich am Dienstag ebenfalls zu Wort. Auf Instagram bezeichnete sich er sich als „Skelett, das durch eine Zelle geistert“. Seine Anwältin Michailowa berichtete weiter, dass der 44-Jährige „sehr schwach“ sei und „kaum sitzen und sprechen“ könne. Der Kreml-Kritiker habe einer Glukose-Infusion zugestimmt, allerdings habe die Krankenschwester mehrfach vergeblich versucht, eine Vene zu finden, so die Anwältin weiter.

Daher übt Michailowa Kritik an dem Gefängniskrankenhaus in Russland, da „die medizinische Versorgung in diesem speziellen Fall“ nicht gegeben sei und verlangt daher die Verlegung ihres Mandanten: „Er muss in ein ziviles Krankenhaus in Moskau verlegt werden, damit er alle notwendige Hilfe erhält und verhindert wird, dass er hier stirbt.“

Der Zustand des in Russland inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny verschlechtert sich zusehends. (Archivfoto)

Russland: Liegt Nawalny im Sterben? Seine Ärzte befürchten einen Herzstillstand

Anastia Wasilijewa, persönlich Ärztin von Alexej Nawalny, hatte zuvor gemeinsam mit anderen Medizinern versucht, Zugang zu dem Putin-Kritiker in Russland zu erhalten – vergebens. „Das ist sehr respektlos gegenüber Menschen, die ihre menschliche Pflicht erfüllen wollen, ihre medizinische Pflicht, einem Patienten zu helfen“, kritisierte Wasiljewa.

Aus Protest ist Nawalny daher in einen Hungerstreik getreten. Seine Ärzte hatten schon am vergangenen Freitag (16.04.2021) gewarnt, dass der Gesundheitszustand des Oppositionellen kritisch sei und man einen Nierenfehler vermute, der sogar zu einem Herzstillstand führen könnte. „Alexej liegt im Sterben, bei seinem jetzigen Zustand ist dies eine Frage von Tagen“, so Nawalnys Pressesprecherin laut dem Spiegel.

Kanzlerin Merkel kritisiert Kreml - Über 100 Pro-Nawalny-Demonstrationen in Russland geplant

Angesichts des kritischen Gesundheitszustands des Oppositionellen verstärkt der Westen den Druck auf Moskau. So äußerte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), dass die Regierung sich „sehr große Sorgen“ mache und Grundrechte das Kernstück der Verfassung demokratischer Staaten seien. Man versuche nun, den Kreml dahingehend zu beeinflussen, dass Nawalny „die geeignete medizinische Betreuung bekommt“.

Indes bedankte sich Nawalny auf Instagram für „die enorme Unterstützung“, die er „aus Russland und der ganzen Welt“ erhalte. Seinen Vertrauten zufolge habe sich der Zustand des 44-Jährigen durch die Verlegung in das Gefängniskrankenhaus nicht verbessert. Auf Instagram erklärte seine Mutter Ljudmila, dass das Lager „schlimmer“ sei als das vorherige.

Am Mittwoch (21.04.2021) wollen Unterstützer des Kreml-Kritikers mit landesweiten Kundgebungen für die Freilassung Nawalnys demonstrieren. Wie der Tagesspiegel berichtet, sind in mindestens 106 Städten Proteste geplant. Die Polizei soll gegen die Organisatoren der Demonstrationen vorgegangen sein, so Nawalnys Team. Demnach seien Räumlichkeiten in der sibirischen Stadt Krasnojarsk und im südlichen Belgograd durchsucht worden. Nach Informationen von fr.de* soll es außerdem zu Festnahmen von Unterstützer Nawalnys gekommen sein. (Nail Akkoyun) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Babuskinsky District Court/dpa

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