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Russland verbietet Soldaten die Bärte – Tschetschenien-„Bluthund“ Kadyrow tobt

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Von: Chistian Stör

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Ramsan Kadyrow (vorne) untersucht ein paar Waffen. Seine Begleiter schauen zu.
Ramsan Kadyrow (vorne) untersucht ein paar Waffen. Seine Begleiter schauen zu. © Yelena Afonina/Imago

Der neue russische Oberbefehlshaber im Ukraine-Krieg weist die Soldaten an, sich zu rasieren. Das sorgt bei den Scharfmachern für Ärger.

Moskau – Die Aufregung in Russland ist groß. Tschetschenen-Chef Ramsan Kadryow schäumte, Wagner-Boss Jewgeni Prigoschin konnte sich kaum mehr einkriegen. Doch warum? Bricht etwa die Front zusammen, hat Präsident Wladimir Putin gar zu Friedensverhandlungen mit der Ukraine aufgerufen?

Nein, die Scharfmacher treibt ein anderes Problem um. Wie die Moscow Times unter Berufung auf russische Propagandisten schrieb, hat der neue Oberbefehlshaber im Ukraine-Krieg den Frontsoldaten befohlen, sich die Bärte abzurasieren. Was sich Waleri Gerassimow dabei wohl gedacht haben mag? Vielleicht kämpft es sich glattrasiert ja etwas besser.

Russischer Armee mangelt es im Ukraine-Krieg an Disziplin

Doch in den Augen des oft gescholtenen Generalstabschefs sind die wild sprießenden Bärte wohl nur das äußerlich sichtbare Symptom eines viel größeren Leidens. Gerassimow hat auch angeordnet, dass die Soldaten ab sofort vorschriftsmäßige Uniformen zu tragen haben, berichtet tz.de. Obendrein ist es ihnen verboten, private Gegenstände zu benutzen, Smartphones und Tablets zum Beispiel. Offenbar hat der neue Oberbefehlshaber den Eindruck, dass etwas faul ist in der Armee der russischen Föderation.

General Viktor Sobolew, der auch im russischen Parlament sitzt, verteidigte das Verbot von Bärten, persönlichen Smartphones und Tablets in einem Interview mit der Nachrichtenseite RBC sogleich als „elementaren Bestandteil der Militärdisziplin“. Doch zumindest die Frage des Bartwuchses ist nicht ohne Brisanz, betrifft sie doch auch den stolzen Bartträger Ramsan Kadyrow, der als Oberhaupt der russischen Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus eigene Truppen befehligt. 

Kadyrow und Prigoschin reagieren auf Bart-Verbot

Kadyrow reagierte denn auch prompt. Auf Telegram ließ er sarkastisch verlauten, dass Sobolew wohl nichts anderes zu tun habe, als den militärischen Verhaltenskodex noch einmal genau zu studieren. Außerdem nannte er Sobolews Äußerungen eine „klare Provokation“ und machte darauf aufmerksam, dass seine überwiegend muslimischen Soldaten Bärte als Teil ihrer religiösen Pflicht trügen.

Wagner-Chef Prigoschin wiederum nannte Sobolews Äußerungen „absurd“. Das Bart-Verbot erinnere ihn an die spießigen Umgangsformen aus den 60ern: „Das ist einer der schwerwiegenden Gründe, warum die Qualität der Kampfhandlungen leidet.“ Rasieren im Schützengraben sei Luxus, die meisten Soldaten müssten sich mit einer Flasche Wasser zum Reinigen begnügen. Auch Prigoschin erwähnte den Umstand, dass es viele Muslime in seiner Truppe gebe, für die der Bart von religiöser Bedeutung sei.

Kadyrow und Prigoschin haben sich seit Beginn Ukraine-Krieges im Februar 2022 als schärfste Befürworter des Feldzugs profiliert und die russische Armeeführung regelmäßig als zu weich kritisiert. (Christian Stör)

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