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„Entmutigende“ Verluste für Russland: Überraschende Kritik aus China

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Von: Tobias Utz

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China und Russland gelten als Verbündete, auch im Ukraine-Krieg. Überraschenderweise werden militärische Verluste hervorgehoben.

Peking/Moskau – Russlands Verluste im Ukraine-Krieg steigen täglich. Das verdeutlichen Statistiken des ukrainischen Militärs und des britischen Geheimdienstes. Wladimir Putin hält sich dazu weitestgehend bedeckt und spricht lediglich vereinzelt davon. Aus dem Kreml ist bislang lediglich zu vernehmen, dass es Verluste gebe – wie hoch, dazu gebe es kein Statement.

Ausgerechnet aus China, das stets betont Seite an Seite mit Russland zu stehen, gibt es derzeit kritische Kommentare dazu. Am Sonntag (16. Oktober) erschien auf dem englischsprachigen Nachrichtenportal China Daily, das von der Kommunistischen Partei Chinas kontrolliert wird, ein Leitartikel, der die Verluste aufgriff. Darin war unter anderem von „entmutigenden“ Verlusten Russlands im Ukraine-Krieg die Rede.

Schwere Verluste für Russland: Überraschende Kritik aus China

Im Leitartikel, einer meinungsorientierten Darstellungsform des Journalismus, hieß es zudem: Trotz der erschreckenden Verluste auf dem Schlachtfeld habe Russland nur zu einer „Teilmobilisierung“ im eigenen Land gegriffen und bestehe weiterhin darauf, dass es sich um „spezielle militärische Operationen“ und nicht um einen Krieg“ handle. Ungeachtet dieses Aspekts kritisierte der Leitartikel in gewohnter Haltung insbesondere das jährlich stattfindende Militärmanöver der Nato, wobei unter anderem Atomwaffen zur nuklearen Abschreckung präsentiert werden. Dies trage zu einer Spirale der Eskalation bei.

Wladimir Putin und Xi Jinping
Wladimir Putin (l.) und Xi Jinping (r). © Fotos: Alexandr Demnyachnuk / AFP, Sputnik / AFP | Collage: AFP | Bearbeitung: IPPEN.MEDIA

Der Beitrag von China Daily ist allerdings nicht der einzige dieser Art. Auch in der Global Times, einer englischsprachigen Zeitung in China, erschien ein kritischer Beitrag. Der Ukraine-Krieg gerate „außer Kontrolle“, warnte Chefredakteur Hu Xijin, der mittlerweile nicht mehr im Amt ist. Eine weitere Eskalation der Lage sei zumindest zu befürchten.

Die staatliche Außendarstellung des chinesisch-russischen Verhältnisses ist weiterhin wie gewohnt: kühl und Putins Narrativ entsprechend. Vielfach betonte Staatspräsident Xi Jinping, dass China Russland unterstütze. Putin bedankte sich für die „ausgeglichene Position“. Ungeachtet davon warnte der chinesische Präsident jedoch auf dem Parteitag der Kommunistischen Partei am Sonntag vor „schwierigen Zeiten“. International gebe es laut Xi „immense Risiken und Herausforderungen“ sowie „globale Veränderungen, wie sie in einem Jahrhundert nicht gesehen worden“ seien.

Hält China weiter zu Russland? Beobachter interpretieren jede Geste

Dies erscheint insbesondere nach einem Appell des chinesischen Außenministers Ende September neu. In einer Rede rief Wang Yi zu Friedensgesprächen im Ukraine-Krieg auf – und setzte nicht auf das russische Narrativ. „Wir rufen alle betroffenen Parteien auf, ein Übergreifen der Krise zu verhindern und die legitimen Rechte und Interessen der Entwicklungsländer zu schützen“, so Wang Yi laut Angaben der Nachrichtenagentur AFP in seiner Ansprache bei der UN-Generaldebatte in New York. (tu)

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