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Mysteriöse Todesfälle: Vier hochrangige Russen seit Weihnachten gestorben

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Von: Sebastian Richter

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In Russland sind an den Weihnachtsfeiertagen mehrere russische Männer in wichtigen Positionen gestorben. Die Hintergründe sind unklar.

Moskau – Mitten im Ukraine-Krieg kommt es in Russland immer wieder zu mysteriösen Todesfällen. Auch in der Weihnachtszeit sind mehrere hochrangige russische Personen unerwartet verstorben. Die Todesfälle reihen sich ein in eine Liste hochrangiger Geschäftsleute, Oligarchen und Staatsbeamten, die durch Selbstmord, ungeklärte Unfälle oder plötzliche natürliche Todesursachen ums Leben gekommen sind. Seit Heiligabend sind vier russische Männer innerhalb weniger Tage gestorben, wie das US-Magazin Newsweek berichtet.

Zu den Toten gehört Alexander Busakow. Er war Generaldirektor der Admiralitätswerft der Vereinigten Schiffsbaukompanie von Russland, die auf den Bau von U-Booten spezialisiert ist. Laut der russischen Nachrichtenagentur Tass starb er an Heiligabend, die Todesursache ist unklar. Tass bezeichnete seinen Tod als „unzeitgemäßen“ und tragischen Vorfall.

Die Vereinigte Schiffsbaukompanie bestätigte seinen Tod. In einer zugehörigen Erklärung schreibt der Konzern, mit dem Tod Alexander Busakovs habe die gesamte nationale Schiffbauindustrie einen unwiederbringlichen Verlust erlitten. „Er trug die Verantwortung für die kompliziertesten Aufträge und erledigte jeden von ihnen mit Würde, wodurch er sich sowohl in der Branche als auch bei der Führung des Landes ein hohes Ansehen erwarb“, zitiert Newsweek die Erklärung.

Mysteriöse Todesfälle in Russland: Geschäftsmann stirbt auf Indien-Reise

Mit Pavel Antov starb am ersten Weihnachtstag ein Fabrikant und Geschäftsmann. Der 65-Jährige kam von einer Indien-Reise nicht nach Russland zurück. Zwei Tage zuvor starb sein Begleiter, Vladimir Budanov, an einem Schlaganfall, wie Newsweek berichtet. Beide waren im indischen Budnesstaat Odisha unterwegs. Antov war deprimiert nach Budanovs Tod und starb kurz darauf, wie der Oberkommissar der Polizei von Odisha erklärte.

Der für diesen Bereich zuständige russische Konsul, Alexei Idamkin, berichtete, dass die Polizei kein „kriminelles Element“ bei den beiden Todesfällen erkennen könne, heißt es von der Nachrichtenagentur Tass.

Todesfall in Nischni Tagil: Putin sagte Besuch kurz zuvor ab

Ebenso am ersten Weihnachtstag starb in Moskau General Alexei Maslov. Früher Befehlshaber der russischen Bodentruppen, war der 70-Jährige zuletzt Sonderbeauftragter des Militärunternehmens Uralvagonzavod, wie die New York Post berichtet. Dieser Konzern hat sich auf die Herstellung von Kampfpanzern spezialisiert. Er starb Berichten zufolge in einem Militärkrankenhaus. Die genauen Hintergründe sind unklar.

Der Platz der Sobornaja-Kathedrale des Moskauer Kremls am 25. Dezember.
Der Platz der Sobornaja-Kathedrale des Moskauer Kremls am 25. Dezember. © Imago/Sergei Karpukhin

Wenige Tage vor dem Tod Maslovs hatte Russlands Präsident Wladimir Putin eine Reise zu der Panzerfabrik in Nischni Tagil abgesagt. Die Stadt hatte sich tagelang auf den Besuch vorbereitet, Putin aber in letzter Minute seine Pläne geändert, wie die britische Zeitung The Mirror berichtet. Putins Sprecher Dmitri Peskow erklärte, dass der Besuch nicht im Terminkalender des Präsidenten stand. Die Stadt hatte sich aber umfangreich auf seinen Besuch vorbereitet.

Auch der ehemalige Generaldirektor eines Herstellers für Raumfahrzeuge und Weltraumträgersystemen, Wladimir Jewgenjewitsch Nesterow, starb vor Kurzem. Nesterow war früher der Generaldirektor des Chrunitschew-Zentrums. Im Zweiten Weltkrieg stellte der Konzern Kampfflugzeuge und Bomber her, auch in der Sowjet-Ära beinhaltete die Produktion neben Raumfahrt-Raketen militärisches Gerät. Das Chrunitschew-Zentrum bestätigte den Tod Nesterows, nannte aber nicht das genaue Datum und die Umstände.

Kreml-Beteiligung nicht bewiesen – aber auch nicht ausgeschlossen

Ob der Kreml mit den Todesfällen in Verbindung steht, ist zum aktuellen Zeitpunkt reine Spekulation. Spätestens seit dem sogenannten Tiergarten-Mord in Berlin ist aber klar, dass Russland nicht davor zurückschreckt, seine Gegner auch außerhalb der Grenzen des Landes zu beseitigen. Im August 2019 erschoss der Russe Wadim Krassikow den Georgier Selimchan Changoschwili und wurde dafür zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach dem Urteil des Berliner Kammergerichts stand der Mord in Verbindung mit der Führung in Russland, der Richter sprach von „Staatsterrorismus“.

Seit der Ukraine-Konflikt zu einem Krieg eskalierte kamen mehrere russische Oligarchen unter mysteriösen Umständen ums Leben. Eine Beteiligung des Kremls ist nicht bewiesen, allerdings schließen Experten nicht aus, dass Russland bei den Todesfällen seinen Teil beigetragen hat. (spr)

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