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Verzweiflung im Kreml: Putin lässt Gefängnisinsassen in Zentralafrika rekrutieren

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Von: Nail Akkoyun

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Der Direktor des Gefangenenlagers Bouar bittet einen Wärter, eine Tür des Gefängnisses im Westen der Zentralafrikanischen Republik zu öffnen. (Archivfoto)
Der Direktor des Gefangenenlagers Bouar bittet einen Wärter, eine Tür des Gefängnisses im Westen der Zentralafrikanischen Republik zu öffnen. (Archivfoto) © Alexis Huguet/AFP

Bereits seit Monaten rekrutiert die Söldnertruppe Wagner für den russischen Krieg in der Ukraine. Inzwischen bedient Moskau sich auch in afrikanischen Gefängnissen.

Bangui/Moskau – Russlands Söldner-Gruppe Wagner befreit derzeit in der Zentralafrikanischen Republik inhaftierte Männer, die unter anderem wegen Mord und Vergewaltigung in Haft sind, um diese als Söldner im Ukraine-Krieg einzusetzen. Dies geht aus einem Bericht von The Daily Beast hervor. Das Nachrichtenportal bezieht sich dabei auf Aussagen mehrerer hochrangiger Militäroffiziere des Binnenstaates.

In der Zentralafrikanischen Republik kontrollieren bewaffnete Rebellen seit rund einem Jahrzehnt große Teile des Landes – viele Rekruten, die als „Schwarzrussen“ bezeichnet werden, werden von Militär und Staat daher als Terroristen betrachtet. Seit sich die Regierung 2017 an Russland gewandt hat, um Hilfe bei der Beschaffung von Waffen und Paramilitärs zu erhalten, üben Wagner-Söldner immer mehr Einfluss auf die Sicherheitsbehörden des Landes aus.

„Seit Oktober sind sie in Militär- und Polizeizellen eingedrungen und haben Rebellen freigelassen […] niemand kann sie aufhalten, weil die Regierung ihnen so viel Macht gegeben hat, so zu handeln, wie sie wollen“, sagte ein Offizier, der im militärischen Hauptquartier Bangui arbeitet. Ein weiterer Militäroffizier sagte gegenüber The Daily Beast, man habe dem Militär mitgeteilt, die freigelassenen Männer sollen künftig „in Übersee arbeiten“.

Die Wagner-Gruppe rekrutiert seit geraumer Zeit für den Ukraine-Krieg

Dass die Wagner-Gruppe Gefangene zur Bekämpfung der ukrainischen Armee einsetzt, ist an sich nichts Neues. Schon mehrfach besuchte Jewgeni Prigoschin, Chef der Wagner-Gruppe, russische Gefängnisses und versuchte dabei, Schwerverbrecher für den Krieg zu rekrutieren. Dem Russen wird seitdem vorgeworfen, ohne Rechtsgrundlage Männer in Straflagern für den Kampf in der Ukraine anzuwerben – wegen Personalmangels an der Front.

Berichten zufolge hat Prigoschin für Wladimir Putin allein in Russland bislang über 6000 Gefangene für Ukraine-Krieg rekrutiert und ihnen dafür Amnestie sowie ein monatliches Gehalt zwischen umgerechnet 1400 und 2900 Euro versprochen. In der Zentralafrikanischen Republik gebe es hingegen keine klare Gehaltsstruktur für die Wagner-Rekruten. Zudem kam es mehrfach zu Gewalt unter den pro-russischen Söldner: erst im November wurde ein Wagner-Rekrut, der ebenfalls aus einem Gefängnis befreit wurde, von seinen Kameraden hingerichtet.

Bereits im März warnte das Pentagon vor dem Versuch der russischen Söldnertruppe, Einheiten und einzelne Kämpfer in Afrika anzuwerben. „Wir sehen einige Bemühungen, Wagner-Einheiten für die Ukraine zu rekrutieren“, sagte General Stephen Townsend, Befehlshaber des US-Afrika-Kommandos, in einem Interview mit dem US-Radionetzwerk VOA. (nak)

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