1. Startseite
  2. Politik

„Sind unter großem Druck“: Russische Rekruten verweigern Kriegsdienst – und werden von Putin-Armee eingesperrt

Erstellt:

Von: Momir Takac

Kommentare

Russische Soldaten, die den Kriegsdienst verweigern, werden offenbar in Keller gesperrt. Ein Bericht soll zeigen, wie chaotisch zudem die Lage an der Front ist.

Moskau/Prag - Die Invasion Russlands in der Ukraine verläuft für Präsident Wladimir Putin alles andere als gewünscht. Der Krieg tobt inzwischen seit neun Monaten und ein Ende des Blutvergießens ist nicht in Sicht. Zwar kann die Ukraine viele besetzte Gebiete befreien, für Moskau ist das allerdings kein Grund nachzugeben.

Im Donbass toben heftige Gefechte. Russland erhöhte dort die Truppenpräsenz, auch mit Soldaten, die aus Cherson abgezogen worden waren. Dazu sorgt Putin für Nachschub, indem er immer mehr russische Männer an die Front beordert. Doch der Widerstand gegen die Einberufung wächst innerhalb der Bevölkerung. Einige verlassen das Land, andere weigern sich, am Krieg teilzunehmen, berichtet merkur.de.

Ukraine-Krieg: Bericht offenbart, was russischen Kriegsverweigerern blüht

Kriegsverweigerer sind offenbar großem Druck ausgesetzt, wie eine Recherche von RadioFreeEurope zeigt. Der Sender mit Sitz in Prag, der von den USA finanziert wird, dessen Journalisten eigenen Angaben zufolge aber völlig unabhängig arbeiten können, erreicht in Osteuropa und Russland Millionen Menschen. Jetzt veröffentlichte er ein Video, in dem die Situation von russischen Deserteuren beschrieben wird.

So sollen russische Soldaten, die im Ukraine-Konflikt nicht mehr kämpfen wollen, in der ukrainischen Region Luhansk in schmutzigen Kellern festgehalten werden. Angehörige, die in dem Video zu Wort kommen, berichten, dass die Verweigerer unter starkem Druck stehen und gezwungen werden, in den Kampf zurückzukehren, obwohl ihnen die notwendige Ausrüstung fehlt.

Russische Rekruten schildern unwürdige Verhältnisse an der Front

„Er wurde in einem Keller in Sajzewe festgehalten, dort, wo auch alle anderen Verweigerer sind. 250 Menschen sollen es sein“, schildert die Schwester eines Soldaten. Ihr Bruder sei nach Swatowe in der Region Luhansk beordert worden. Er und seine Kameraden sollen in einer Halle auf Holzbrettern gehaust haben. Das soll ein Video der Soldaten beweisen.

Drei Tage sollen sie dort untergebracht gewesen sein. Es soll weder Wasser noch Essen gegeben haben, Proviant hätten sie sich selbst besorgen müssen. Schließlich seien sie an die Front geschickt worden, ohne gepanzerte Fahrzeuge, ohne Artillerie-Unterstützung. Nach schweren Verlusten hätten sie sich zurückziehen müssen, von den Kommandeuren seien sie im Stich gelassen worden.

Nach der Rückkehr nach Russland begann für Deserteure das Grauen

Nach dem Rückzug hätten sie meistens im Freien schlafen müssen, schildern russische Soldaten in einem Video im Bericht von RadioFreeEurope. Als sie sich weigerten, wieder an ihre Posten zurückzukehren, seien einige von ihnen übergelaufen, andere blieben im Dorf. Auf Druck von Angehörigen hätten Kommandanten beschlossen, sie abzuziehen.

Nach Bitten seien die Kameraden auf eine Militärbasis im russischen Waluiki gebracht worden, erzählt die Schwester eines Soldaten. Dort seien sie schwer unter Druck gesetzt und beschimpft worden. Die Aussagen bestätigte die Mutter eines anderen Soldaten, die ebenfalls zu Wort kommt. Sie spricht von einem Keller ohne Einrichtung. Ihr Sohn sei vermutlich noch immer dort.

Im September hatte Putin ein Gesetz verschärft, das lange Haftstrafen gegen Deserteure und Kriegsdienstverweigerer ermöglicht. Dem britischen Geheimdienst zufolge setzt das russische Militär inzwischen auf Sperreinheiten, die einen Rückzug der eigenen Soldaten verhindern sollen – im schlimmsten Fall mit Waffengewalt. (mt)

Auch interessant

Kommentare