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„Dark Lord“: Putin verschenkt goldene „Ringe der Macht“ an Russlands Nachbarn – nur Lukaschenko spielt mit

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Von: Richard Strobl

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Der russische Präsident Wladimir Putin besichtigt das Staatliche Russische Museum während eines informellen Gipfeltreffens der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) in St. Petersburg.
Der russische Präsident Wladimir Putin besichtigt das Staatliche Russische Museum während eines informellen Gipfeltreffens der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) in St. Petersburg. © IMAGO/Alexei Danichev

Wladimir Putin träumt offen von der Rückkehr Russlands zur Größe der UdSSR-Zeit. Doch viele Partner wenden sich ab. Ein goldenes Geschenk hilft da wohl auch nicht.

Sankt Petersburg – Angesichts Ukraine-Kriegs ist Russland international weitgehend isoliert. Auch die Nachfolgestaaten der UdSSR spielen schon lange nicht mehr so mit, wie Wladimir Putin es gerne hätte. Ein goldener Ring als Geschenk für die Verbündeten sollte nun helfen, die Verbindungen zu stärken – weckte bei einigen Beobachtern aber eher Erinnerungen an das Fantasy-Epos „Der Herr der Ringe“, berichtet merkur.de.

Kurz nach Weihnachten hatten sich die Staatschefs der sogenannten „Gemeinschaft unabhängiger Staaten“ (GUS) in Sankt Petersburg getroffen. Der Staatenverbund früherer Sowjetrepubliken ist aus dem Zusammenbruch der UdSSR vor gut 30 Jahren hervorgegangen. Ende des Monats jährt sich auch der 100. Jahrestag der Gründung der Sowjetunion. Am Montag (26. Dezember) trafen sich so die Staatschefs von Armenien, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Aserbaidschan, Usbekistan, Kasachstan und Belarus in Russland. Nur Moldau fehlte.

Putin-Geschenke an GUS-Staaten: Nur ein Partner legt ihn direkt an

Dementsprechend mahnende Worte richtete Wladimir Putin an die ehemaligen Sowjetrepubliken, sich nicht noch weiter von Russland zu lösen. Als Symbol der Einigkeit brachte Putin auch Geschenke mit. Das berichtet unter anderem die ukrainische Nachrichtenagentur Nexta: Für jeden der Staatschefs gab es einen goldenen Ring, einen behielt Putin selbst. Auf jedem der Ringe ist dem Bericht zufolge das Symbol der GUS-Staaten zu erkennen. Zudem sind die Geschenke mit den Inschriften „Frohes Neues Jahr 2023“ und, etwas kleiner, dem Wort „Russland“ versehen.

Allerdings war Belarus-Machthaber Alexander Lukaschenko der einzige der Staatschefs, der sich den Ring auch öffentlich an den Finger steckte. Nicht ganz überraschend: Schließlich gelten Ringe als Symbol von unauflöslicher Partnerschaft einerseits, aber auch von Unterdrückung und Knechtschaft.

Ein Sinnbild womöglich, denn: Experten sehen keine Verbündeten mehr für Russland - mit Ausnahme von Belarus‘ Machthaber Alexander Lukaschenko, der Putin wirtschaftlich, finanziell und politisch auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sei, analysiert etwa dpa-Journalist Ulf Mauder.

Putins „Ringe der Macht“: Parallelen zu Fantasy-Epos drängen sich auf

Eine Verbindung zum Fantasy-Epos „Der Herr der Ringe“ könnte sich bei den Geschenken zudem geradezu aufdrängen. Auch Nexta weist darauf hin und verbindet seinen Twitter-Post zu dem Ring-Geschenk mit einem Zitat des Schriftstellers J.R.R. Tolkien: „Neun für sterbliche Männer, die dem Tode geweiht sind, einer für den dunklen Lord auf seinem dunklen Thron; im Land Mordor, wo die Schatten liegen.“

In Tolkiens Werk „Der Herr der Ringe“ gibt der dunkle Lord Sauron den neun Menschenkönigen jeweils einen Ring und macht sie dadurch mächtig und unsterblich. Allerdings werden die Könige durch die Ringe letztendlich komplett dem Willen Saurons unterworfen. Wenig überraschend fand diese Deutung der Geschenke in der Ukraine große Beliebtheit. Wohl auch, da die russischen Soldaten dort ohnehin bereits „Orks“ genannt werden, wie die Krieger Saurons. Auf Twitter häufen sich dementsprechend die Vergleiche zwischen dem „dunklen“ Fantasy-Lord und Wladimir Putin.

Der Kreml dementierte direkt: Bei den Ringen handle es sich lediglich um Neujahrsgeschenke, „da ist nichts Besonderes dabei“, sagte Sprecher Dmitri Peskow laut Tass.

Putin auch in GUS zunehmend isoliert - Russland verliert einst treue Vasallen

Für den Kremlchef hätte der 100. Jahrestag der Gründung der Sowjetunion pünktlich zum Jahreswechsel eigentlich eine Art Wiedergeburt des Imperiums werden sollen. Doch mit dem Krieg gegen die Ukraine erreichte Putin das Gegenteil: Moskau verliert einst treue Vasallen. Denn Putin kämpft nach zahlreichen Niederlagen in seinem Krieg in der Ukraine auch um seinen Ruf als starker Anführer weit über Russland hinaus. Statt in der Ukraine einen Sieg zu feiern, muss Putin zusehen, wie sich auch die letzten der einst insgesamt 15 Staaten der Sowjetunion von Russland abwenden - oder zumindest seine Rolle infrage stellen.

Der 70 Jahre alte Kriegsherr, der den Zerfall der Supermacht UdSSR vor gut 30 Jahren einmal als größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnete, sieht sich im Kampf gegen den liberalen Westen - und beschuldigt diesen, durch die Unterstützung der Ukraine das heutige Russland zerschlagen zu wollen.

Ukraine-Krieg setzt Russlands Ruf in GUS schwer zu

Zunehmend schaden die Niederlagen auch Moskaus Ruf als Ordnungsmacht und Stabilitätsgarant auf dem Gebiet der früheren Sowjetrepubliken in Zentralasien und im Südkaukasus.

In den Ex-Sowjetrepubliken, wo der russische Präsident lange als starker Anführer gefürchtet wurde, weht zunehmend ein kühlerer Wind. Der tadschikische Präsident Emomali Rachmon warf Putin im Oktober auf offener Bühne vor, dass Moskau kleinere Länder wie schon zu sowjetischen Zeiten übergehe. Bei einem anderen Gipfel in Usbekistan ließen Staatenlenker Putin bei bilateralen Treffen warten - dabei kommt der Kremlchef als Machtdemonstration sonst selbst oft zu spät.

Russland versucht, sein „Quasi-Imperium“ zu erhalten

Der Krieg in der Ukraine sei nur ein Beispiel dafür, wie Russland versuche, sein „Quasi-Imperium“ zu erhalten, sagt der russische Analyst Igor Grezki. „Der politische Einfluss Russlands wird aber überbewertet.“

Russland hat zwar neben der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), der OVKS auch noch die Eurasische Wirtschaftsunion als Einflussinstrument, die sich am Freitag zu einem Gipfel in Kirgistan traf. Putin will da immer wieder Akzente setzen. Bewegung gibt es aber kaum bei diesen Integrationsprojekten, die Teile der Sowjetunion auffangen sollten.

Zwar habe Russland auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Republiken weiter wirtschaftlich etwa mit günstigen Energiepreisen unterstützt, um die Beziehungen zu erhalten, meint Karbalewitsch. Allerdings seien viele nach Putins Äußerungen über einen „ungerechten“ Zerfall der Sowjetunion alarmiert. Er erwartet deshalb, dass Russlands Einfluss im postsowjetischen Raum weiter sinkt.

Der Gewinner könnte ausgerechnet der große Nachbar sein. Wie andere Experten sieht Karbalewitsch bereits deutliche Signale der zentralasiatischen Republiken, sich stärker nach China zu orientieren. Die Großmacht könnte die Rolle des Garanten für Sicherheit und territoriale Unversehrtheit in der Region übernehmen. (rjs/dpa)

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