Ruth Klüger, Überlebende von Auschwitz: Wien ist ihr bis heute unheimlich

Spricht heute im Bundestag: Ruth Klüger (84). Archivfoto: dpa

Ruth Klüger ist mit ihren 84 Jahren eine der jüngsten Auschwitz-Überlebenden. Im Bundestag hält die Liternaturwissenschaftlerin und Autorin am Mittwoch (im TV auf Phoenix ab 12 Uhr) die Gedenkrede zur Befreiung des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers am 27. Januar 1945. Ein Porträt.

Lesen Sie auch
„Jeder Schüler sollte einmal eine KZ-Gedenkstätte besuchen“

Mit sieben Jahren durfte die Tochter eines jüdischen Frauenarztes in ihrer Heimatstadt Wien auf keiner Parkbank mehr sitzen. Mit elf kam sie ins Konzentrationslager - Theresienstadt, Auschwitz, Christianstadt, ein Außenlager des KZ Groß Rosen. Ruth Klüger hat überlebt - noch kurz vor Kriegsende gelang ihr 1945 die Flucht. Das Mädchen Ruth war in Auschwitz-Birkenau Häftling A-3537. Die A-3537-Tätowierung auf ihrem linken Unterarm zeigte lange demonstrativ - als Indiz für Folter, Hunger, Durst. Bis das Angestarrtwerden sie nervte.

Die zwei Nachkriegsjahre in Bayern beschrieb 1992 Klügers Buch „weiter leben“. Es wurde wie das Tagebuch der Anne Frank an Schulen gelesen. Spätere Lebenserinnerungen, schonungslos gegen sich und ihre Familie, nannte sie 2008 „unterwegs verloren“.

1947 emigriert, sprach der jüdische Teenager im Nachkriegs-Amerika nur noch englisch, wollte bewusst die Muttersprache verlernen. Klüger studierte, heiratete einen Amerikaner, bekam zwei Söhne und führte das Leben einer typischen Mittelklasse-Hausfrau. Ihre Söhne weigerten sich, Deutsch zu lernen. Von 1962 bis 1994 lehrte Klüger an verschiedenen US-Universitäten, seit 1988 war sie Gastprofessorin an der Georg-August-Uni Göttingen, wo ihre Rückkehr in die deutsche Gegenwart und Literatur begann.

Die literarische Darstellung des Holocaust war eines ihrer Hauptthemen, Mitte der 1970er-Jahre wandte sich Ruth Klüger verstärkt feministischen Themen zu. Die Uni Göttingen verlieh ihr 2003 die Ehrendoktorwürde, die Stadt 2010 ihre Ehrenmedaille.

von Wolfgang Riek und Margot Weber

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.