K+S entsorgt Salzabwässer des Atommüllbergwerks höchstens bis 2016

Aus der Asse – ab ins Meer?

Kassel/Hannover. Salzabwässer aus dem maroden Atommüllgrube Asse bei Wolfenbüttel ab in die Weser und dann in die Nordsee? Diesen Entsorgungs-Notausgang hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) dem Umweltministerium in Hannover schon 2012 vorgeschlagen. Jetzt schlägt die Sache ziemliche Wellen.

Es geht um Zutrittswasser, das irgendwie irgendwo in die Asse sickert und auf seinem Weg durch das alte Salzbergwerk zur Salzlösung wird. Zwölf Kubikmeter davon werden Tag für Tag mit Tanks eingefangen, radiologisch getestet und wieder nach oben gepumpt.

Bis 500 Kubikmeter schaffen die Pumpen - bei größeren Einbrüchen müsste die Asse aufgegeben werden, müssten 126.000 Atommüllfässer für immer unten bleiben.

Nothelfer bei der Entsorgung ist bislang der Kasseler K+S-Konzern: Dessen in den 1970ern stillgelegte Grube Mariaglück im Kreis Celle wird seit Jahren geflutet. Mit Süßwasser und mit Salzabwässern. Knapp 4000 Kubikmeter davon liefert die Asse jedes Jahr - und zahlt dafür gut 54 Euro pro Kubikmeter an K+S.

Bis 2014 geht das noch, vielleicht zwei Jahre länger. 2016 aber, bestätigt auch K+S, ist definitiv Schluss, werde Mariaglück endgültig verwahrt, sprich dichtgemacht. BfS-Sprecher Werner Nording: „Wir suchen alternative Annahmestellen.“ Alt-Bergwerke in Thüringen und Sachsen-Anhalt hätten schon abgewinkt.

„Schotten zu“

„Hören die Leute Asse, gehen die Schotten zu“, sagt Nording. Dabei sei das Zutrittswasser harmlos und nur leicht aus der Grubenluft mit Tritium belastet. In der Nordsee messe man dieselben Werte wie bei den Assewässern, drei Becquerel pro Liter. Zum Vergleich: Im Trinkwasser seien 100 Becquerel erlaubt.

Man dürfe diese Abwässer nicht in einen Topf werfen mit radioaktiv kontaminierten Lösungen noch tiefer im Berg. 25 Liter davon sickern dort täglich aus den Atommüllkammern. In einem strahlenden Sumpf, 750 Meter tief, dort wo der Großteil des Mülls aus Atomkraftwerken vor 40 Jahren abgekippt und eingemauert liegt, werden bis zu 80 000 Liter vermutet. Diese Brühe bleibt untertage: Das BfS will damit Beton anmischen, um Hohlräume noch tiefer im Berg zu verschließen.

Den laut BfS unbedenklichen großen Salzwasser-Rest in den Fluss? Die Politik fürchtet eine Welle der Empörung. Messwerte hin oder her: Sowohl Noch-Umweltminister Stefan Birkner (FDP) wie auch sein möglicher Nachfolger Stefan Wenzel (Grüne) wollen lieber weiter die unterirdische Entsorgung. Also wie bisher irgendwo in alten Bergwerken. Pläne, gar Anträge zur Einleitung in irgendwelche Flüsse gibt es laut BfS nicht. Aber: Neben die 3850 Kubikmeter aus der Asse müsse man auch mal setzen, was jetzt schon an Salzabwässern in Weser, Ems und Jade fließt - jedes Jahr Millionen Kubikmeter, unter anderem aus dem Kalibergbau an der Werra.

Hintergrund: In die Flüsse oder ins Nordsee-Rohr?

• Wer Abwasser in Flüsse leitet, benötigt eine Genehmigung. Sonst ist die Einleitung strafbar.

• Vor der Haustür der Asse fließt die Oker vorbei, sie mündet über die Aller in die Weser. Die Oker hat, wie andere Harzvorland-Flüsse, ein Problem mit Schwermetallen im Wasser. Jeder Regen wäscht die aus Abraumhalden, Bergwerksgruben und Altlasten des einstigen Erzabbaus im Harz in die Flüsse. Ob auch noch Salzwasser in die Oker dürfte, ist offen.

• Die Asse-Abwässer könnten aber per Tank-Lkw an jeden anderen Fluss gefahren werden. K+S hat so jahrelang den Standort Neuhof-Ellers zur Werra entsorgt.

• Auch Einspeisung in eine Nordsee-Abwasserleitung für Werra-Kalisalzabwässer dürfte zumindest geprüft werden - falls die kommt und die Asse bis dahin nicht abgesoffen und aufgegeben ist.

Von Wolfgang Riek

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