Erdogan-Anhänger attackiert CDU-Ministerin Klöckner

Sandra Maischberger: Debatte plätschert vor sich hin - dann kommt es zum Aufreger

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Fleischhauer, Gaus, Klöckner, Yildiz und Kelek (von links) bei Maischberger (Mitte).

Bei Sandra Maischberger streiten die Gäste über die Gefahren des Islams. Es wird emotional als ein Erdogan-Anhänger CDU-Frau Julia Klöckner angeht.

Mal wieder Themenabend im Ersten: Am Mittwoch zeigte die ARD den Film „Unterwerfung“ - eine Verfilmung des gleichnamigen Buchs von Michel Houellebecq. Der Plot: Im Jahr 2022 kommt in Frankreich eine muslimische Partei an die Macht - und macht aus der „Grande Nation“ einen Gottesstaat - mit Scharia, Polygamie und Burka. Das Buch selbst hat einen eindeutig satirischen Charakter. Im Anschluss diskutierte Sandra Maischberger mit ihren Gästen auch gleich über die Gefahren durch den Islam in Deutschland: „Islamdebatte: Wo endet die Toleranz?“

Die Rollen sind klar verteilt: Den bürgerlich-konservativen Part geben Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer und CDU-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Dann ist da Necla Kelek, die in der Kindheit stark durch das islamische Elternhaus eingeschränkt und zur „Islamkritikerin“ konvertiert ist. Das tolerant-linksliberale Milieu wird vertreten durch die taz-Journalistin Bettina Gaus. Und zuletzt Haluk Yildiz, Gründer der Erdogan-nahen BIG-Partei - eine politische Partei in Deutschland, die vorwiegend muslimische Interessen vertritt. 

Viel Dampf, aber doch alles sehr vorhersehbar

Erwartungsgemäß krawallig geht es dann auch zu. Umbenannte christliche Feste, Burka, Schwimmunterricht, Schweinefleisch und Handschläge: Alle Klassiker des Themenkomplexes „Islamisierung des Abendlandes“ werden gestreift. Die Positionen der Gäste sind entsprechend ihrer Rolle dann auch mehr als erwartbar: Julia Klöckner schimpft über die Schweinefleisch-Verbannung in Kitas mit vorwiegend muslimischen Kindern, Bettina Gaus findet das „lebensnah“. Gaus will mehr Geld für die Bildung und Förderung von Migranten in die Hand zu nehmen, diese Debatten um „Lichtfeste“ (statt St. Martins-Fest) oder Wintermärkte (statt Weihnachtsmärkte) findet sie „lächerlich“. 

Etwas überraschend muss hier der bekennende Konservative Jan Fleischhauer seiner Sitznachbarin zustimmen: Er sei in den 1970er Jahren aufgewachsen, das sei ja das Zeitalter der Angst gewesen, meint er. In gewohnt süffisanter Manier fügt er hinzu: „Dass der Muslim das schafft, was Aidskatastrophe, BSC, Waldsterben und diverse Vogel- und Schweinegrippen nicht geschafft haben, das glaub ich nicht“. Im Klartext: Auch er findet die Diskussionen übertrieben.

... dann kommt es zum Aufreger

So plätschert die Debatte vor sich hin - bis es zu dem großen Aufreger kommt. 

In einem kurzen Einspielfilm wird auf das Buch „Nicht verhandelbar“ von Julia Klöckner hingewiesen. Ihr Schlüsselerlebnis während der Recherche zu ihrem Buch: Als sie sich mit einem Imam in einer Flüchtlingsunterkunft treffen wollte, kündigte der Geistliche vorab an, er sei nicht gewillt, ihr die Hand zu geben. Die 45-Jährige sagte den Termin daraufhin ab. In dem Buch fordert sie, dass die Vollverschleierung von Frauen verboten werden solle - für unter 14-Jährige sogar das Kopftuch. Zum Schutz der Rechte der Frau - denn die Verschleierung zeuge von einem patriarchalisch-verstaubten Weltbild, das der Islam propagiere.

Die Streithähne: Julia Klöckner (links) und Haluk Yildiz.

Klöckner erläutert in der Runde noch einmal ihren Standpunkt. Sie verstehe nicht, dass wir „über Gleichberechtigung, über gendergerechte Sprache und über Equal-Pay reden“, aber diese Form der Diskriminierung akzeptierten. Erzürnt kontert Haluk Yildiz von der Migranten-Partei BIG Klöckner: Sie versuche die Deutungshoheit über das Religiöse leben an sich zu reißen. Und: Der verweigerte Handschlag könne auch ein Zeichen des Respekts vor der Frau sein. Und Yildiz legt noch einen drauf: Mit Klöckners Argumenten bewege sie sich „nicht auf dem Boden des Grundgesetzes“ - harter Tobak. Und eigentlich eine spannende Grundlage für die weitere Diskussion. Die eigentliche Meta-Frage dahinter, nämlich die, welches Grundrecht mehr Gewicht hat - Religionsfreiheit oder die Entfaltungsfreiheit der Frauen - wird dann aber nur oberflächlich behandelt.

Zum Schluss ging es noch einmal um das bayerische Kreuz - mit keinem allzu großen Mehrwert. Fazit: Routiniert-kalkulierte Hitzköpfigkeit, die nur einmal überkocht.

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bah

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