Sanktionen gegen Russland wären schlecht für den Westen

Russlands Präsident Wladimir Putin drückt die Eingliederung der Halbinsel Krim durch. Proteste und Sanktionen der EU stören dabei nicht. Rufe nach härteren Sanktionen werden laut. Doch welche Auswirkungen hätte das auf die Wirtschaft im Westen?

Deutschland müsse nun Konsequenzen ziehen, forderte der frühere Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestags, Rupert Polenz, im Deutschlandfunk. In einem ersten Fall geschah das nun: Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) stoppte vorerst ein Geschäft des Rüstungskonzerns Rheinmetall mit der russischen Armee. Eine weitere Debatte um wirtschaftliche Sanktionen ist damit zu erwarten.

Für kurze Zeit könnten beide Länder eine Eiszeit in ihren Wirtschaftsbeziehungen verkraften, sagt Ullrich Rathfelder, Risikoanalyst bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Denn in Deutschland sind die Gasspeicher voll, in Russland die staatlichen Devisenkonten. Sanktionen greifen erst mit Verzögerung – und hinterlassen dann Verlierer auf beiden Seiten.

Ausfuhrverbote:  Russland bezieht vor allem Maschinen, Chemieprodukte und Nahrungsmittel aus dem Ausland. Ein europäischer Ausfuhrstopp träfe die russische Wirtschaft empfindlich. Härter träfe es die Bevölkerung allerdings auch, denn ohne Lebensmittelimporte aus der EU wären russische Supermarktregale ziemlich leer. Nachteil: Deutsche Unternehmen würden mitleiden. Denn sie verkauften 2013 Güter für 76,5 Milliarden Euro nach Russland.

Bürgschaftsstop: „Das ist die vielleicht schärfste Waffe“, sagt Rathfelder. Denn Ausfuhrbürgschaften begleiten die meisten Exporte nach Russland. Nachteil: Das Russlandgeschäft vieler deutscher Firmen käme ohne die Absicherung weitgehend zum Erliegen.

Gaslieferungen:  Fast ein Drittel des in Deutschland verbrauchten Erdgases kommt aus Russland. Ein Boykott der EU, die etwa 20 Prozent der Lieferungen kauft, träfe hart. Denn Rohstoffexporte finanzieren den halben Staatshaushalt. Dass Russland selbst den Gashahn zudreht, ist deshalb unwahrscheinlich. Nachteil:  Westeuropa säße zwar nicht im Kalten, aber die Gasrechnungen würden in die Höhe schnellen, wenn der Nachschub knapper wird. Dass Sanktionen den Energiesektor betreffen, erwarten Experten wegen der katastrophalen Auswirkungen auf beiden Seiten deshalb nicht.

Kreditlinien sperren: Russische Unternehmen sind nach Zahlen der deutsch-russischen Auslandshandelskammer mit knapp 330 Milliarden Euro im Ausland verschuldet, Kredite von ausländischen Konzernen an ihre russischen Töchter eingerechnet. Wenn die Banken den Geldhahn zudrehen, droht den Unternehmen die Pleite. Nachteil: Russland könnte Kreditzahlungen aussetzen, oder mit der Verstaatlichung dort ansässiger ausländischer Unternehmen drohen.

Von Barbara Will

Rubriklistenbild: © dapd

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