Sarkozy kommt aus der Deckung

Paris. Wirklich abgetreten war er nie - nun meldet sich der französische Ex-Staatschef endgültig zurück auf der politischen Bühne. Erst will er Präsident seiner Partei werden, dann Frankreichs.

Zuletzt hatten sich die Spekulationen überschlagen: Wann und wo würde Nicolas Sarkozy sein politisches Comeback ankündigen? In der Presse, den Fernseh-Hauptnachrichten?

„Ein paar Stunden müssen Sie sich noch gedulden“, verriet sein engster Vertrauter, Ex-Innenminister Brice Hortefeux, am Freitagmorgen im Radio. Am Nachmittag dann verkündete Sarkozy auf seiner Facebook-Seite, dass er nach langem Überlegen den verunsicherten Franzosen eine neue Alternative anbieten werde.

„Es wäre eine Art Im-Stich-Lassen, nur Beobachter der Situation zu sein, in der Frankreich sich befindet“, erklärt er. Er wolle all jene hinter sich versammeln, die sich eine Erneuerung des politischen Lebens in Frankreich wünschen: „Man schafft nichts Großes ohne die Einheit der Nation. Man schafft nichts Großes ohne Hoffnung, ohne Perspektive.“

Eine solche hat Sarkozy nicht zuletzt für sich selbst gesucht.

Ohnehin hatte er sein Versprechen am Abend der Wahl-Niederlage 2012 nicht gehalten, er werde die Politik hinter sich lassen. Während er gut bezahlte internationale Konferenzen gab, knüpfte der 59-Jährige weiter sein Netzwerk und meldete sich gelegentlich zu Wort, oft mit scharfen Spitzen gegen seinen Nachfolger François Hollande, der eine „totale Null“ sei.

Dieser reagierte unbeeindruckt, als er bei seiner Pressekonferenz am Donnerstag zur baldigen Rückkehr seines einstigen Rivalen befragt wurde: „Diejenigen, die gestern und vorgestern regierten, haben absolut das Recht, morgen oder übermorgen regieren zu wollen. Das ist Demokratie.“

Er halte jedenfalls durch, auch wenn seine Beliebtheitswerte auf 13 Prozent gefallen sind. Doch auch Sarkozy wird nicht als Heilsbringer erwartet: Zwei von drei Franzosen sagen, sein Comeback interessiere sie nicht.

Er visiert zwar eine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2017 an. Zunächst geht es Sarkozy aber um den Vorsitz seiner Partei, der bürgerlich-konservativen UMP. Bis Anfang Dezember ein neuer Chef gewählt wird, führt sie übergangsweise ein Triumvirat der Ex-Premierminister François Fillon, Alain Juppé und Jean-Pierre Raffarin. Fillon und Juppé haben selbst Ambitionen auf eine Kandidatur 2017. Zugleich meldet auch die junge, ehrgeizige Garde Ansprüche an.

Anstatt mit inhaltlicher Oppositionsarbeit ist die UMP mit ihren internen Führungsquerelen beschäftigt, seit sie der Kampf zwischen Fillon und Ex-Generalsekretär Jean-François Copé an den Rand der Zerreißprobe brachte: Copé sicherte sich per Wahlbetrug den Vorsitz, stürzte dann aber über einen Skandal bei der Finanzierung von Sarkozys Wahlkampagne 2012. Mittels gefälschten Rechnungen sollte vertuscht werden, dass die Kosten für seine spektakulären Auftritte deutlich über der erlaubten Obergrenze lagen. Der Kandidat selbst weist jede Verantwortung von sich.

Ein halbes Dutzend weiterer Affären verfolgen den Ex-Staatschef. Gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Korruption, weil er einem Staatsanwaltschaft für Informationen aus anderen laufenden Verfahren einen prestigeträchtigen Posten in Aussicht gestellt haben soll.

Neben seiner Verwicklung in den Korruptionsskandal um den Geschäftsmann Bernard Tapie besteht der Verdacht, er habe sich den Wahlkampf 2007 nicht nur von der L‘Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt, sondern auch vom libyschen Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi sponsern lassen.

Zu Recht verweisen die Sozialisten auch auf den Schuldenberg, den Sarkozy dem Land hinterlassen hat. Und darauf, dass er Fehler in seiner Amtszeit nie aufgearbeitet hat, in der er trotz großen Wirbels wenig echte Reformen anging. Sollte es 2017 zu einer Neuauflage des Duells Sarkozy - Hollande kommen, dürfte es eine lachende Dritte weit bringen: Marine Le Pen, die Rechtspopulistin vom Front National.

Von Birgit Holzer

Unsere Autorin erreichen Sie per Mail unter nachrichten@hna.de

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