Sarkozys „Zurück in die Zukunft“

Paris. Längst nicht alle Franzosen und Parteifreunde sind von Ex-Präsident Sarkozys Plänen einer Rückkehr in die Politik so begeistert wie er selbst. Dass er abgewählt wurde, scheint er verdrängt zu haben.

Paris. Endlich darf Nicolas Sarkozy wieder tun, was er am besten kann: Gas geben, angreifen, wahlkämpfen. „Wenn ihr wüsstet, wie glücklich ich bin, euch wiederzusehen“, rief der 59-jährige Ex-Präsident den gut 4000 Anhängern in Lambersart zu, einem Vorort der nordfranzösischen Stadt Lille, den er für den ersten Auftritt seiner Kampagne ausgewählt hat.

Rund weitere 20 Orte im ganzen Land will er bis Ende November besuchen. Dann wählen die Mitglieder seiner bürgerlich-konservativen Partei UMP ihren neuen Vorsitzenden. Der bisherige Parteichef Jean-François Copé war über den Skandal um Sarkozys Wahlkampf 2012 gestürzt, dessen überhöhte Kosten mithilfe gefälschter Abrechnungen vertuscht werden sollten. Sarkozy selbst behauptet, keine Ahnung von den Betrügereien gehabt zu haben.

Zunächst visiert er den Parteivorsitz an. Vor einer Woche hatte er sein politisches Comeback auf seiner Profilseite im Internet-Netzwerk Facebook angekündigt. Anschließend erklärte er in einer Wochenzeitung und bei einem 45-minütigen Fernsehinterview in den Hauptnachrichten, dass er viel nachgedacht und sich verändert habe. Nun zelebriert Sarkozy die „Rückkehr zum Volk“, wie es sein Sprecher formuliert.

„Pflichtgefühl“ treibt ihn

Längst richtet er den Blick auf die Präsidentschaftswahl 2017. Pflichtgefühl treibe ihn an, argumentiert Sarkozy: Mit seiner Energie und Erfahrung präsentiert er sich als einzige Alternative zwischen „der Erniedrigung, die Frankreich erlebt“ - die Präsidentschaft seines Nachfolgers François Hollande „ohne Perspektive, ohne Strategie“ - und der Isolierung, die der Kurs der Rechtspopulistin Marine Le Pen für das Land bedeute.

Sollte es tatsächlich zu einer Neuauflage der Wahl-Konstellation von 2012 mit den Spitzenkandidaten Sarkozy, Hollande und Le Pen kommen, hätte der Rechtskonservative gute Chancen auf einen Sieg: Der Sozialist Hollande hat schwer enttäuscht und die ultrarechte Protest-Politikerin Le Pen ist zwar erfolgreich, aber nicht mehrheitsfähig.

Umstritten in der eigenen Partei

Zuvor muss sich Sarkozy allerdings innerhalb seiner eigenen Partei durchsetzen. Dort gilt er als umstritten wegen seiner Bilanz und der mangelnden Aufarbeitung seiner Fehler - denn nicht nur Hollande ist verantwortlich für Frankreichs aktuellen Schuldenberg und Reformstau. Er verdankt seine Wahl einer massiven Ablehnung Sarkozys.

Längst haben Parteifreunde ihren Anspruch auf eine Kandidatur für 2017 angekündigt, die Sarkozys Retter-Pose weisen sie zurück. Besonders gefährlich wird ihm dabei Alain Juppé. Der frühere Premier- und Außenminister sowie Bürgermeister von Bordeaux spaltet mit seinem staatsmännischen Auftreten und einem moderaten Kurs weniger als der impulsive Sarkozy. „Das Match ist eröffnet“, kündigte Juppé an.

Sarkozy wiederum gibt sich gesprächs- und konsensbereit und bleibt bei inhaltlichen Ideen schwammig, um möglichst viele Unterstützer hinter sich zu sammeln. „Ich will unsere Familie vereinen“, rief er bei seinem Auftritt. „Die lächerlichen Ego-Streitigkeiten lehne ich ab.“ Er werde „alles neu“ machen: den Parteinamen, ihre Organisationsform, die Annäherung an Politiker des Zentrums.

Zahlreiche Affären

Nicht alle sind allerdings davon überzeugt, dass die Erneuerung Frankreichs ausgerechnet von dem Mann ausgehen kann, der nach seiner fünfjährigen Amtszeit mit mehr als einem halben Dutzend Affären belastet ist, die die Justiz beschäftigen. Viele seiner Vorschläge, wie das Versprechen regelmäßiger Volksbefragungen, machte er bereits in der Vergangenheit, ohne sie umzusetzen. „Nichts hat sich seit 2007 oder 2012 geändert“, beklagt Sarkozys Ex-Verteidigungsminister Hervé Morin, der inzwischen zur Zentrumspartei UDI gewechselt ist: Er biete Frankreich ein „Zurück in die Zukunft“.

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