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Wegen Twitter-Konto: 34 Jahre Haft für Frau

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Von: Constantin Hoppe

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Ein Gericht in Saudi-Arabien hat eine Studentin aufgrund ihrer Twitter-Botschaften zu 34 Jahren Haft verurteilt.

Riad – Eine Studentin aus Saudi-Arabien wurde von einem Gericht zu der längsten Haftstrafe verurteilt, dass in dem Land jemals gegen eine Frauenrechtsaktivistin verhängt wurde. Der Grund: Auf ihrem Twitter-Account teilte sie Tweets anderer Aktivisten.

Die 34-jährige Salma al-Shehab, Doktorandin der Zahnmedizin an der Universität Leeds in Großbritannien und Mutter von zwei kleinen Kindern, war bereits im Juni zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Die Urteilsbegründung lautete, dass sie eine Internet-Website benutzt hatte, um „öffentliche Unruhe zu stiften und die zivile und nationale Sicherheit zu destabilisieren“.

34 Jahre Haft wegen Twitter-Account: Doktorandin aus Saudi-Arabien im Urlaub verhaftet

Ein Berufungsgericht verhängte jedoch am 8. August eine neue Strafe: 34 Jahre Gefängnis, gefolgt von einem 34-jährigen Reiseverbot. Das Urteil kann innerhalb von 30 Tagen vor dem Obersten Gerichtshof angefochten werden. Das Strafmaß ist das höchste, das bislang gegen eine Frauenrechts-Aktivistin in dem konservativen Königreich verhängt wurde.

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Ihr Twitter-Account wurde einer Frau aus Saudi-Arabien jetzt zum Verhängnis. Die Frau wurde wegen ihrer Tweets und Retweets zu 34 Jahren Gefängnis verurteilt. (Symbolbild) © Jakub Porzycki/Imago

Al-Shehab habe niemals gedacht, „dass ihre Twitter-Aktivitäten ihr Probleme bereiten könnten“, erzählte eine Freundin, die anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AFP. „Ihre Verhaftung hat uns überrascht“. Die Doktorandin war im Januar 2021 während eines Urlaubs in Saudi-Arabien festgenommen worden.

Frauenrechtsaktivistin zu 34 Jahren Haft in Saudi-Arabien verurteilt

Salma al-Shehab, 34, Mutter von zwei kleinen Kindern, wurde zunächst zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie eine Internet-Website benutzt hatte, um „öffentliche Unruhe zu stiften und die zivile und nationale Sicherheit zu destabilisieren“. Ein Berufungsgericht verhängte jedoch am Montag (15. August) eine neue Strafe - 34 Jahre Gefängnis, gefolgt von einem 34-jährigen Reiseverbot.

Auf ihrem Twitter-Profil hat al-Shehab rund 2600 Follower. Sie unterstützte dort unter anderem Kampagnen, um das System männlicher Vormundschaft in Saudi-Arabien zu beenden. Daneben unterstützte sie auch die prominenten saudische Frauenrechtsaktivistin Loujain al-Hathloul, die früher inhaftiert war und angeblich gefoltert wurde, weil sie sich für die Fahrrechte von Frauen einsetzte, und jetzt mit einem Reiseverbot belegt ist.

34 Jahre Haft: Neue Eskalation gegen Aktivist:innen in Saudi-Arabien

Die in Berlin und London ansässige Menschenrechtsorganisation ESOHR sprach von einem „beispiellosen und gefährlichen“ Urteil und einem möglichen Schritt der weiteren Eskalation gegen Aktivist:Innen im Land. Diese seien in vergangenen Jahren willkürlich verurteilt und in einigen Fällen schwer gefoltert worden.

Unter dem herrschenden saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman gab es in den vergangenen Jahren verschiedene Reformen zugunsten von Frauen, darunter die Aufhebung des Fahrverbots und des Kopftuchzwangs. Gleichzeitig geht die streng konservative Regierung jedoch im Rahmen einer breit angelegten Kampagne hart gegen Regierungskritiker und Frauenrechtsaktivisten vor. (con mit dpa)

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