Saure Zeit für Gurken

Gemüse wächst zu schnell und wird vernichtet

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Eine von ganz vielen: Wie auch jetzt mussten in Europas größtem Anbaugebiet in Niederbayern schon in der Saison 2012 – als unser Foto entstand – tonnenweise Gurken vernichtet werden.

Kassel/Aholming. In Europas größtem Anbaugebiet für Einlegegurken in Niederbayern wächst das grüne Gemüse so rasch, dass die Ernte tonnenweise vernichtet werden muss.

Laue Nächte, am Tag Temperaturen zwischen 27 und 30 Grad, ab und an ein Regenguss – das mag die Gurke. Und zwar so sehr, dass sie in Europas größtem Anbaugebiet für Einlegegurken in Niederbayern tonnenweise vernichtet werden muss. Denn das Gemüse wächst so schnell, dass die Kapazitäten für die Weiterverarbeitung erschöpft sind.

Zwischen Juni und September werden in Niederbayern auf 1200 Hektar etwa 45.000 Tonnen Gurken geerntet, in diesem Jahr wohl aber deutlich mehr. „Wir haben eine außergewöhnlich gute Saison“, sagt Klaus Beiswenger, Geschäftsführer der Geo Bayern, ein Zusammenschluss von niederbayerischen Landwirten zur Vermarktung von Gurken und Verarbeitungsgemüse. Jeden Tag ernte die Geo zwischen 800 und 1000 Tonnen Gurken, mitunter sogar mehr. „Normal sind zwischen 600 und 700“, sagt Beiswenger. Zu den guten klimatischen Bedingungen komme, dass die Pflanzen außergewöhnlich kräftig und von Krankheiten weitgehend verschont geblieben seien.

Die hohen Erträge führen nun zu Vermarktungsproblemen: Die Partnerbetriebe in der Verarbeitung würden rund um die Uhr arbeiten, hätten aber nicht die Kapazitäten für diese Gurkenmengen. Zudem habe der Lebensmitteleinzelhandel die Aufträge spät vergeben, erklärt Beiswenger. So sei es zu Engpässen bei Gläsern, Deckeln und Etiketten gekommen.

Beiswenger könne nachvollziehen, dass es für den Verbraucher unverständlich ist, wenn Lebensmittel vernichtet werden. Ihm ist wichtig zu betonen, dass das nicht „über Gebühr“ geschehe. Bisher seien es etwa drei Prozent der Gesamternte, was 1200 Tonnen entspreche. Diesen Wert halte er für tolerabel. Im Idealfall sollte eine Gurke 24 Stunden nach dem Sortieren im Glas sein. Um ein frisches Produkt zu garantieren, könne man aber keine über zwei Tage alten Gurken verwenden, sagt Beiswenger.

Die überschüssigen Gurken werden in Biogasanlagen oder auf abgeerntete Getreideflächen gefahren, wo sie untergepflügt werden. Als Lebensmittelspende seien sie aber nicht geeignet. „Wir haben Verbindung zu den Tafeln, die jederzeit bei uns Gurken holen können, auch, wenn wir sie nicht vernichten müssen. Aber 200 bis 300 Tonnen Überschuss sind Berge, die kann die Tafel nicht mitnehmen“, sagt der Geschäftsführer lachend.

Für die Vernichtung der Gurken räumt Beiswenger auch marktpolitische Gründe ein. Die Gurken sollten nicht verramscht werden, sagt er. Sonst würden Wettbewerbsnachteile für seine Kunden entstehen.

Für die kommenden Wochen bis zum Ende der Saison erwarte er eine Entspannung, sagt Klaus Beiswenger. Die Mengen würden sich bereits reduzieren. Derzeit wachsen die Gurken mehrere Zentimeter in einer Nacht, sobald die Temperaturen aber nur noch bei zwölf oder 13 Grad liegen, verlangsame sich das Wachstum. (mit dpa)

Von Sina Beutner

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