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Schamane Gabyschew muss in Psychiatrie verbleiben

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Von: Niklas Kirk

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Befindet sich in einer psychiatrischen Einrichtung: der Kreml-Oppositionelle Alexander Gabyschew
Befindet sich in einer psychiatrischen Einrichtung: der Kreml-Oppositionelle Alexander Gabyschew © IMAGO / Kyodo News

Für seine Ankündigung, Wladimir Putin vertreiben zu wollen, wurde Alexander Gabyschew mehrfach zwangseingewiesen. Sein Anwalt zweifelt den neusten Gerichtsbeschluss an.

Alexander Gabyschew, ein Schamane aus der Republik Jakutien, der als Kreml-Kritiker international bekannt wurde, verbleibt aufgrund eines Gerichtsbeschlusses weiter in einem psychiatrischen Krankenhaus. Dies teilt die russischsprachige Webseite Nastojaschtscheje Wremja mit Verweis auf Gabyschews Anwalt mit.

8000 km zu Fuß um Putin aus dem Kreml zu jagen

Zu internationaler Bekanntheit gelangte der sibirische Schamane Alexander Gabyschew, als er im März 2019 einen Aufstand gegen Präsident Wladimir Putin ankündigte. Der 53-Jährige wollte sich zu Fuß in das rund 8.000 Kilometer entfernte Moskau begeben, um den Präsidenten aus dem Kreml zu vertreiben. Diesen bezeichnete er öffentlichkeitswirksam als Ausgeburt dunkler Mächte. Die Reise endete jedoch abrupt an der Grenze zur Oblast Irkutsk. Nach seiner Festnahme wurde er erstmals in eine Psychiatrie eingewiesen und sah zeitgleich ein Strafverfahren wegen „öffentlicher Aufrufe zu extremistischen Tätigkeiten“ gegen sich eröffnet.

Weder das Verfahren noch die erstmalige Einweisung hielten ihn davon ab, erneut unter gleichem Vorwand nach Moskau reisen zu wollen, was im Januar 2021 zu einer erneuten Festnahme führte. Am 18. März 2021 diagnostizierten Mediziner ein psychisches Problem, das einen Krankenhausaufenthalt und eine Behandlung erforderlich machen würde. Am 26. Juli 2021 beschloss das Stadtgericht Jakutsk laut Amnesty International, den Schamanen für die Dauer der Ermittlungen in der Psychoneurologischen Klinik der Republik Jakutien unterzubringen.

Anwalt und Menschenrechtsorganisation kritisieren Vorgänge

Bereits seit 2021 regt sich internationalen Protest gegen die Behandlung Gabyshews. Diese würde zwangsweise vollstreckt werden und erinnere seinen Anwalt an Praktiken aus der Zeit der Sowjetunion. „Psychiatrie als Strafe und zu politischen Zwecken. Das folgt dem sowjetischen Modell“, äußerte Prjanischnikow gegenüber der russischsprachigen Webseite Insider.ru. Seit längerem setzt sich auch Amnesty International für die Freilassung Gabyschews ein.

Der jüngste Gerichtsbeschluss soll laut Gabyschews Anwalt unter merkwürdigen Bedingungen zustande gekommen sein, denn dieselbe Kommission, die noch im Juli dieses Jahres die Überweisung in ein normales Krankenhaus empfahl, sei nun unter neuer Zusammensetzung zu dem Ergebnis gekommen, dass Gabyshew aufgrund seines verschlechterten Zustands in der Psychiatrie verbleiben müsse. Für welchen Zeitraum gehe aus dem Beschluss jedoch nicht hervor. Laut Gesetz müsse ein Gericht ihn aber alle sechs Monate überprüfen. (nki)

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