Scheidung: Rosenkrieg um die Immobilie

+
Bei der Scheidung müssen die Besitzverhältnisse für die gemeinsame Immobilie geklärt werden – nicht selten kommt es dabei zu Streit.

Immobilien stehen gerade in Krisenzeiten für Beständigkeit und Sicherheit. Das gilt aber nicht für Ehen. Im Falle einer Scheidung geht nicht nur die Beziehung in die Brüche, auch der Traum vom Eigenheim zerplatzt. Lesen Sie hier, welche Möglichkeiten der Einigung es gibt.

In den meisten Fällen gehören Haus oder Wohnung den Eheleuten zur Hälfte. Bei der Scheidung kommt beiden Partnern ein Ausgleichsanspruch zu. Dieser beträgt die Hälfte des während der Ehe erwirtschafteten Vermögens, bei einer Immobilie also die Hälfte des Netto-Hauswertes.

Den Marktwert von Immobilien ermitteln Experten im sogenannten Verkehrswertgutachten. Für zahlreiche Institutionen, Behörden und Gerichte ist dieses Gutachten das allein anerkannte Dokument, wenn es um die Wertbestimmung von Immobilien geht. Es enthält eine genaue Beschreibung des Objekts und seines baulichen Zustands. Damit dient es der Ermittlung des momentanen Preises der Immobilie. Für die Qualität des Verkehrswertgutachtens ist entscheidend, dass das Dokument klar strukturiert und für Fachleute sowie Laien gleichermaßen verständlich ist.

Verkauf der Immobilie

Wenn keiner der beiden Partner über die Mittel verfügt, dem anderen seine Hälfte abzukaufen, muss die Immobilie verkauft werden. Findet sich ein Abnehmer wird der Erlös aufgeteilt. Noch offene Schulden werden verrechnet. Beide geschiedenen Partner müssen dem Verkauf zustimmen.

Vermietung

Denkbar ist auch, dass das geschiedene Ehepaar die Immobilie nach der Scheidung behält und vermietet. Sie teilen sich die Mieteinnahmen, aber auch die Kosten, die zum Beispiel für die Instandhaltung des Hauses anfallen. Eine Vermietung macht insbesondere dann Sinn, wenn ein Verkauf der Immobilie mit Verlusten verbunden wäre.

Teilung der Immobilie

Versteht sich das Ehepaar grundsätzlich noch gut, besteht auch die Möglichkeit, dass beide weiter im Haus wohnen. Bei größeren Immobilien, kann die Wohnfläche oft in zwei Eigentumswohnungen aufgeteilt werden. Die neuen Eigentumsverhältnisse werden von einem Notar beurkundet.

Teilungsversteigerung

Kann sich das Paar bei der Scheidung auf keine der genannten Möglichkeiten einigen, kommt es zu einer sogenannten Teilungsversteigerung. Hierbei werden die Eigentumsverhältnisse notfalls auch gegen den Willen des unnachgiebigen Partners geklärt. Denn im Grunde entspricht das Verfahren einer Zwangsversteigerung. Das bedeutet: Ein Sachverständiger beurteilt die Immobilie und benennt den Wert für das „geringste Gebot“. Die so ermittelte Summe liegt meist deutlich unter dem Marktwert. Da beide Partner erhebliche finanzielle Verluste erleiden können, sollten sie bei der Scheidung mit allen Mitteln versuchen, eine Teilungsversteigerung zu vermeiden.

Sonderfälle

Komplizierter wird es, wenn einer der beiden Eheleute einen Teil des Hauses zum Beispiel als Geschenk der Eltern erhalten hat. Für solche Zuwendungen muss im Falle einer Scheidung kein Ausgleich geleistet werden. Das gilt auch für Erbschaften. Ausnahme: Übersteigt der Wert des Hauses die allgemeine Preissteigerung, muss der Zugewinn geteilt werden.

Bringt ein Partner das Grundstück in die Ehe mit, gehört ihm auch das gemeinsam erbaute Haus. Den Zuschlag für das Haus bekommt bei der Scheidung immer derjenige, der als Grundstückseigentümer im Grundbuch eingetragen ist. Wer diesen Fall vermeiden will, sollte sich gemeinschaftlich eintragen lassen oder einen Ehevertrag abschließen.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.