Wirtschaftsprüfer mit ersten Untersuchungsergebnissen

Entscheidung im Laufe des Tages: Wie schief lief die ADAC-Wahl „Lieblingsauto der Deutschen 2014“?

München. Den Verdacht, dass beim ADAC-Wettbewerb „Lieblingsauto der Deutschen 2014“ mit mehr als nur den Stimmenzahlen fürs Siegerautos VW-Golf getrickst wurde, hat am Wochenende der Essener Autoexperte Professor Ferdinand Dudenhöffer weiter genährt.

Er sagte der HNA am Montagvormittag: "Die Reihenfolge der ADAC-Lieblingsautos wurde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit manipuliert." Der Autoclub, so Dudenhöffer weiter, müsse Strafanzeige gegen seinen früheren Pressechef Michael Ramstetter stellen. Ein ADAC-Sprecher hatte am Wochenende gegenüber der "Bild am Sonntag" eingeräumt: „Abhängig vom Ergebnis der Untersuchung werden wir sicherlich weitere Schritte, gegebenenfalls auch juristische, prüfen.“

Aktualisiert um 11.23 Uhr.

Dudenhöffers Verdacht der Manipulation stützt sich auf Statistikvergleiche - nicht nur bei der jüngsten Prämierung, sondern auch in früheren Jahren. Der Autoexperte der Universität Duisburg-Essen hat Zulassungszahlen der vergangenen Jahre mit den Lieblingsauto-Rankings des ADAC verglichen. Und findet manches komisch - etwa das angebliche "Lieblingsauto der Deutschen 2012": Das war der Audi Q3 - "ein Auto, das im Jahr 2011 gerade mal auf Platz 168 der Zulassungsstatistik gelandet ist", wundert sich Dudenhöffer.

Über weitreichende Schritte könnte in München schon in den nächsten Stunden befinden müssen. Der ADAC hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte mit der Aufarbeitung und Untersuchung sämtlicher Verleihungen des Autopreises Gelber Engel seit 2005 beauftragt. Erste Ergebnisse liegen in München offenbar vor. Ob sie am heutigen Montag oder morgen veröffentlicht würden, "entscheidet sich im Lauf des Tages“, sagte am Montagvormittag ein Sprecher des Clubs auf Anfrage unserer Zeitung.

Michael Ramstetter, der kurz nach der letzten Preisverleihung Mitte Januar zugegeben hatte, als Kommunikationschef des ADAC die Abstimmungszahlen zugunsten des Golf extrem geschönt zu haben, ist weg. Der Wettbewerb, wie man ihn kennt, wohl auch: "Hat der Gelbe Engel noch eine Zukunft? Sicherlich nein, er hat keine Zukunft. Das war ein Totalschaden", zitierte die Branchenzeitung Automobilwoche ADAC-Präsident Peter Meyer schon im Januar. Die aufwendige Veranstaltung, zuletzt Mitte Januar mit 400 Gästen aus Gesellschaft und Autoindustrie in der prächtigen Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz zelebriert, solle es künftig definitiv nicht mehr geben, sagte ein ADAC-Sprecher damals.

Vergangene Woche hatten mehrere deutsche Autohersteller gedroht, die Gelber-Engel-Preise zurückzugeben. Autoexperte Dudenhöffer hält auch den Abgang von ADAC-Präsident Meyer für überfällig: "Der hätte schon vor 14 Tagen zurücktreten müssen", sagte Dudenhöffer der HNA. (wrk)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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