Ministeriums-Eckpunktepapier zu Fördertechnik Fracking: „Vorrang für Gesundheit und Trinkwasserschutz“

Schiefergas bis 3000 Meter tabu

+
Barbara Hendricks

berlin. Die umstrittene Erdgasförderung aus so genannten nichtkonventionellen Vorkommen soll in Deutschland nicht völlig verboten werden. Ein Eckpunktepapier von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und seiner Umwelt-Kollegin Barbara Hendricks formuliert deutliche Auflagen, die eine Suche nach so genanntem Schiefergas in weiten Bereichen hinfällig machen dürfte. Oberhalb einer Tiefe von 3000 Metern im Boden soll die Fördertechnik Fracking in Schiefer- und Kohleflözgestein verboten werden. Zu wirtschaftlichen Zwecken, schreiben die Minister, werde es damit diese Gasförderung in Deutschland auf absehbare Zeit nicht geben.

Ob so das gestoppte Projekt Adler South der kanadischen Gasfirma BNK Petroleum zur Schiefergas-Suche in Nordhessen damit ganz vom Tisch ist, bleibt unklar. Die vermutlich interessanten Schichten im Landkreis Kassel beginnen unterhalb von 1000 Metern. Wie tief sie reichen, ob tiefer als Gabriels 3000-Meter-Grenze, wissen nicht mal die Spezialisten des hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie. Der Grund: So tief wurde in Nordhessen noch nie gebohrt.

Beim Fracking bricht ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien mit hohem Druck das Lagergestein auf, um dort eingeschlossenes Gas zu lösen. Vorläufige Abschätzungen von Wissenschaftlern hoffen, Deutschland mit Schiefergas zehn Jahre oder länger versorgen zu können. Als lohnend für die Suche gelten der Norden oberhalb der Linie Köln - Leipzig, der Rheingraben bis Südhessen, südliche Teile Bayerns und Baden-Württembergs.

Fracking-Kritiker aber warnen vor unabsehbaren Risiken vor allem für Grund- und Trinkwasser. Ihre Front reicht von Umweltgruppen über Wasserversorger bis zu Bierbrauern. Wasserschutz- und Heilquellengebieten sowie Einzugsbereiche von Talsperren und Seen sollen daher für jegliches Fracking tabu bleiben. Dies und die Gesundheit der Bevölkerung hätten absoluten Vorrang, so das Papier.

Das Oberhalb-3000-Meter-Verbot soll 2021 überprüft werden. Ein Hintertürchen für wissenschaftlich begleitetes Probefracking lassen Wirtschafts- und Umweltministerium auch offen. Und für Erdgaslager in deutlich tieferen Sandsteinschichten, wo festsitzendes Gas (Tight Gas) ebenfalls gefrackt wird, bleibt die Technik grundsätzlich möglich. Darauf hatte Niedersachsen gedrungen, die Gasförderregion Nummer eins in Deutschland (Hintergrund).

 kommentar

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.