Schießplatz oder Windpark?

Göttinger EEV AG im Clinch mit der Bundeswehr

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Nordsee: Offshore-Windparks

Göttingen / Cuxhaven. Die Bundeswehr muss schießen üben - auch draußen auf See. In Teilen der Nordsee, dort, wo Marine und Luftwaffe scharfe Schüsse abfeuern, sind gleichzeitig aber auch Windpark-Planer unterwegs. Die Göttinger EEV AG liegt deshalb im Clinch mit dem Verteidigungsministerium.

Kann ein Windpark Schießplatz sein? Die Antwort liegt beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Die Behörde genehmigt, ob und wo sich in Nord- und Ostsee Windräder drehen dürfen. Die Göttinger EEV AG hofft bis 2016 auf grünes Licht für ihren Offshore-Park Skua.

80 Räder auf 65 Quadratkilometern - das ist der Plan. Damit liegt Skua im Mittelfeld dessen, was etwa vier Dutzend ähnliche Projekte, die im Genehmigungsverfahren sind, in die Nordsee stellen wollen.

Gegen acht Felder hat das Verteidigungsministerium Bedenken. Skua ist eines davon: Der Einsatz scharfer Munition sei dort ein nicht tolerierbares Risiko, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Skua liege mitten im Schießgebiet. Die Zone zu sperren und zu sichern, sei zusätzlich schwierig. Eine Ablehnung des Projekts habe man auch frühzeitig mitgeteilt.

Die Politik setzt zur Energiewende weiter auch auf Offshore-Windstrom. Dennoch herrscht Flaute in der Branche. Bau sowie Anschluss der Parks auf See sind teurer und komplizierter als gedacht. Das einstige Ziel einer Offshore-Windleistung von 10.000 MW bis 2020 gilt als nicht mehr erreichbar. Beantragt ist viel, genehmigt waren Ende 2013 in Nord- und Ostsee 33 Parks. Nur wenige laufen.

Dass mit dem Nein der Militärs zu Skua Investorengelder gefährdet seien, wird vonseiten der EEV AG bestritten. Davon sei „noch kein Cent ausgegeben“, hieß es.

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung hatte zuvor geschrieben, Anleger wüssten nichts vom Bundeswehreinspruch und Verbraucherschützer warnten davor, in Skua zu investieren. Nach ersten Fernsehberichten ging die EEV AG gestern in die Offensive: Die letzte Entscheidung liege beim BSH, nicht bei der Bundeswehr, meldete das Unternehmen. Das Nordsee-Projekt ausbremsen könne das Verteidigungsministerium nur mit dem gerichtsfesten Beweis, „dass der Auftrag der Landes- und Bündnisverteidigung durch Windkraftanlagen erheblich beeinträchtigt wäre“.

Diesen Beweis könnten die Militärs nicht liefern, auch mit Klagen gegen den Nordstream-Gaspipelinebau durch die Ostsee seien sie vor Gericht gescheitert. Das Wasser weit vor der Küste parallel militärisch und zur Stromerzeugung zu nutzen, sei möglich. Teilweise müssten Marine und Luftwaffe eben geringfügig ausweichen - in benachbarte Übungsgebiete. Bereits 2012 hatte der amtierende Befehlshaber der Flotte, Michael Mollenhauer, allerdings im NDR gewarnt: „Wir haben schon eine Menge an Übungsgebieten in Nord- und Ostsee verloren. Ein Mehr geht nicht.“

Von Wolfgang Riek

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