Prozess gegen 21 Bandenmitglieder wegen Steuerbetrugs

Schlag gegen Zigaretten-Mafia: Zoll hob riesiges Lager nahe Holland aus

Frankfurt. Es geht um 22 Millionen illegal produzierte Zigaretten, gefunden in einer Lagerhalle an der holländischen Grenze – umgerechnet rund eine Million Schachteln.

Eine „gewaltige Hausnummer“ nennt Frank Bachmann vom Zollfahndungsamt Frankfurt den Schlag gegen eine international operierende Zigaretten-Mafia, der Wiener und Frankfurter Zollfahndern im April 2013 gelungen ist. Vergleichbare Fälle dieser Größenordnung habe es in den vergangenen fünf Jahren nicht gegeben, so Bachmann.

Seit Dienstag müssen sich nun 21 Angehörige der Zigaretten-Mafia wegen Tabaksteuerhinterziehung und Verstößen gegen das Markengesetz vor dem Frankfurter Landgericht verantworten. Der angerichtete Steuerschaden beläuft sich laut Anklage auf insgesamt 24 Millionen Euro. Bis Ende September sind 29 Prozesstage angesetzt.

Dem Gerichtsverfahren vorausgegangen waren über anderthalb Jahre länderübergreifende Ermittlungen. „Im Zuge der Zusammenarbeit zwischen Frankfurter und Wiener Fahndern wurden zudem 46 Tonnen Feinschnitt-Tabak sowie zwei Zigarettenherstellungsmaschinen im Wert von zwei Millionen Euro in der Geheimfabrik sichergestellt“, ergänzt Bachmann. Zusätzlich seien mehrere Lkw mit unversteuerten und markengefälschten Zigaretten abgefangen worden, die den Angeklagten eindeutig zugeordnet werden konnten.

Allein die gefundene Menge an Feinschnitt-Tabak reicht laut Markus Tönsgerlemann, dem Leiter des Frankfurter Zollfahndungsamtes, um alle Raucher einer 100.000-Einwohner-Stadt ein Jahr lang mit Zigaretten zu versorgen. „Zum Vergleich: Im Jahr 2012 wurde vom Zollfahndungsdienst nur 1719 Kilogramm Feinschnitt sichergestellt - im gesamten Bundesgebiet, wohlgemerkt“, ergänzt Bachmann.

Nach den Erkenntnissen der Zollbeamten haben die Beschuldigten einen hohen logistischen Aufwand für die illegale Zigarettenproduktion betrieben. So seien Feinschnitt-Tabak und Papier aus Bulgarien, Ungarn und der Slowakei bezogen und in die Lagerhalle in den Niederlanden transportiert worden. Dort wurden eigens Arbeiter für die Produktion angeworben. Vertrieben wurde die Ware schließlich in Deutschland, Tschechien, Österreich, Bulgarien, Ungarn, der Slowakei sowie den Niederlanden.

Neben den Tabakwaren wurden auch zahlreiche Smartphones, SIM-Karten, gefälschte Stempel sowie drei Pistolen und Munition sichergestellt. Daneben fanden die Fahnder auch Schmuck, hochwertige Uhren und Unterhaltungselektronik in der Lagerhalle der Zigaretten-Mafia.

Im Falle einer Verurteilung müssen die Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren rechnen.

Von Emily Spanel

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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