CDU und FDP richten sich auf die Wahl aus

Schlagmann McAllister

Vor der Havarie, die zum Teambildung-Erlebnis ernannt wurde: Ministerpräsident David McAllister gibt den Takt für seine Regierungsmannschaft an. So soll es auch im Wahlkampf sein, machten FDP und CDU während ihrer Klausurtagungen deutlich. Foto: dpa

Bad Zwischenahn. Abends beim Bier zurren die Koalitionsspitzen von CDU und FDP ihre finanzpolitische Linie fest. Die Schuldenbremse in Niedersachsens Landesverfassung solle jetzt definitiv 2017 wirksam werden, kündigt CDU-Fraktionschef Björn Thümler am Mittwoch zum Ende der Klausurtagungen in Bad Zwischenahn an. „Darauf haben wir uns ganz schnell geeinigt.“ Im März noch hatte der FDP-Landesparteitag verlangt, das Datum auf 2016 vorzuziehen, nun erklärt Fraktionschef Christian Dürr vorsichtig, dass dieses Datum immer noch wünschenswert wäre. „Beides schließt sich ja nicht aus.“ Die Liberalen fordern, ab 2017 bereits mit dem Abbau bestehender Schulden anzufangen – in Schritten von 350 Millionen Euro pro Jahr.

Auch sonst prägt Harmonie die beiden Fraktionstreffen, die während der drei Tage immer wieder verschmelzen. Das schwarz-gelbe Bündnis will sein Gemeinschaftsgefühl stärken, Kräfte sammeln für die Landtagswahl in acht Monaten. Das Kentern von Ministerpräsident David McAllister und eines Teils seines Kabinetts beim Drachenbootrennen auf dem Zwischenahner Meer wird zum zusammenschweißenden Team-Erlebnis : „Wir lassen uns eben nicht unterkriegen“, kommentiert der CDU-Regierungschef gut gelaunt den unfreiwilligen Abgang ins elf Grad kalte Wasser.

„Die Stimmung ist gut“, sagen alle Beteiligten – vor und nach der Havarie. Von dem Desaster der CDU in Nordrhein-Westfalen will sich keiner kirre machen lassen. „Jedes Wahl hat ihre eigenen Gesetze, jedes Land seine eigenen Themen“, sagt McAllister, gratuliert seiner erfolgreichen Kollegin Hannelore Kraft (SPD) und verspricht: „Wir bleiben gute Nachbarn.“

Kronprinz der Kanzlerin

Dass er nach dem Scheitern von Bundesumweltminister Norbert Röttgen als einziger CDU-Kronprinz von Kanzlerin Angela Merkel übrig bleibt, wischt er halb ironisch, halb genervt beiseite. „Mein Platz ist in Niedersachsen; die Konzentration gilt der Landtagswahl am 20. Januar 2013.“

Natürlich, fügt er grinsend an, gebe es schlimmere Vorwürfe als die, ein Hoffnungsträger der Partei zu sein. „David ist ein herausragender Ministerpräsident“, lobt Finanzminister Hartmut Möllring (CDU): „Er kommt überall im Lande gut an.“ Das zeigt die Wahlkampf-Strategie: McAllister soll im Mittelpunkt stehen, sich als Landesvater für breite Schichten bis tief hinein ins rot-grüne Lager präsentieren. Zurückhaltung in Konfliktthemen, heißt die Devise, bloß kein Streit mit dem Partner FDP. „Wir schmeißen keine Tassen aus dem Fenster, sondern greifen zum Telefon und lösen das Problem freundschaftlich“, erläutert der Finanzminister den Umgang im schwarz-gelben Landesbündnis, das bestehen bleiben soll. Die Liberalen werden nun wieder als starker Partner gesehen. Manche haben das schon immer gewusst: „Die FDP“, erklärt Möllring voller Inbrunst, „habe ich nie tot gesehen.“

Von Peter Mlodoch

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.