Frankfurt: Seit Eröffnung der neuen Landebahn geht Protest erst richtig los

Mit Plakaten angereist: Fluglärmgegner am Frankfurter Flughafen. 400 Menschen beteiligten sich am Montagabend an dem Protest. Ab sofort wollen sie sich jede Woche treffen. Foto: dpa

Frankfurt. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Mit Trillerpfeifen sind sie angerückt, und immer wieder skandiert die Menge: „Schlimmer als die Pest, Landebahn Nordwest“. Es ist Montagabend, 400 Menschen sind nach Feierabend ins Terminal 1 des Flughafens gekommen, um gegen den Fluglärm durch die neue Bahn zu protestieren.

Sie wollen jetzt jeden Montag kommen, 400 Teilnehmer seien nur der Anfang, sagen die Sprecher der Bürgerinitiativen. In Flörsheim sind es am selben Abend schon 1000, sie bilden eine Lichterkette in dem am schlimmsten von der neuen Bahn betroffenen Ort.

Berufsprotestierer findet man weder da noch dort. Dafür jede Menge Menschen, die nie gedacht hätten, dass sie jemals zu einer Demo gehen. Cornelia Heinemann zum Beispiel. Die 71-Jährige aus dem Frankfurter Stadtteil Niederrad, ist stinksauer. Dort haben sie jetzt bei jeder Wetterlage Lärm, nicht nur durch startende Flieger wie früher, sondern auch durch die landenden. „Jetzt, wo die Konsequenzen ihrer Politik spürbar werden, macht Petra Roth sich aus dem Staub“, schimpft die Niederräderin über die Oberbürgermeisterin, die bald abtreten will. Maria Ludwig will auch nichts von Lärmschutzfenstern hören: „Man will doch auch mal auf den Balkon“, ruft die alte Dame empört.

Heidi und Wolfgang Thomat aus Rüsselsheim-Nauheim sind nicht gut aus die Politik zu sprechen: „Das ist eine Enteigung von oben“, wettert der frühere Unternehmensberater. „Wir lieben unsere Heimat und haben uns mit dem Fluglärm arrangiert, aber das hält man nicht mehr aus.“ Erika Moebus (54), die heute in Flörsheim lebt, kann es noch immer nicht fassen: „Als gebürtige Kelsterbacherin weiß man, was Fluglärm bedeutet. Ich habe immer gesagt, dass es so schlimm nicht werden kann, und jetzt das!“

Auch viele Rheinhessen sind gekomen, denn der Lärm macht vor Mainz und dem Umland nicht halt. Thomas Pajonk ist mit der Familie vor einigen Jahren nach Ober-Olm bei Mainz gezogen, „aufs Land, wegen der Ruhe“, sagt er sarkastisch. Pajonk hofft, dass sich bald bundesweit Bürgerinitiativen gegen den Fluglärm an den Demos beteiligen, „dann ist hier richtig was los. Wir müssen jetzt nur sehen, dass alles friedlich bleibt“.

Fraport-Sprecher gelassen

Fraport-Sprecher Jürgen Harrer reagiert gelassen: „Die Demonstrationen werden beim Ordnungsamt ganz normal angemeldet. Bislang gab es keine Probleme.“ Darüber, wie es aussieht, wenn vielleicht Tausende kommen, will er nicht spekulieren. Nachlassen dürfte der Protest so schnell nicht. Bis zur Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig über das Nachtflugverbot wollen sie durchhalten.

Die Lufthansa verkündet am gleichen Tag, dass sie auch im Sommer nachts nicht von Frankfurt fliegen will, bis Leipzig könne man mit der Planung nicht warten.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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