Grüne wollen Berliner Projekt zum Schutz vor Missbrauch in Niedersachsen einführen

Das Schlimmste verhüten

Einzigartiges Präventionsprojekt: In Berlin wurden bereits 700 Männer mit pädophilen Neigungen behandelt. Unser Bild zeigt das Plakat des Projekts. Foto: dpa

Hannover. Zum Schutz vor Missbrauch von Kindern sollen potenzielle Täter eine spezielle Therapie erhalten - noch bevor sie einen sexuellen Übergriff begangen haben. Ein entsprechendes Angebot will die Grünen-Fraktion nach dem Vorbild der Berliner Charité-Klinik auch in Niedersachsen einrichten. Heute beschäftigt sich der Landtag mit dem Projekt.

Wenn Männer spüren, dass Kinder bei ihnen sexuelle Impulse auslösen, können sie sich in Berlin beraten und gegebenenfalls mittels Gesprächstherapie und/oder Medikamenten behandeln lassen. Das Angebot richtet sich an Personen, die bisher noch nicht übergriffig geworden, dies aber befürchten. Auch Täter, die den Strafverfolgungsbehörden (noch) nicht bekannt geworden sind, soll das Projekt „Dunkelfeld“ ansprechen.

700 pädophile Männer haben in den vergangenen fünf Jahren die Charité kontaktiert; 150 von ihnen haben einen Therapieplatz bekommen - darunter auch mehrere Personen aus Niedersachsen.

Etliche niedersächsische Interessenten können sich den Zeit- und Kostenaufwand für die wöchentlich notwendigen Besuche in Berlin allerdings nicht erlauben. Für diese wollen die Grünen deshalb auch hierzulande eine Behandlung anbieten. Zur Umsetzung könne man etwa die Medizinische Hochschule in Hannover gewinnen, heißt es in dem Landtagsantrag.

„Täterarbeit ist Opferschutz“, sagte Grünen-Vizefraktionschefin Miriam Staudte unserer Zeitung. „Ein solches Projekt ist als ein Baustein der Präventionsarbeit auch in Niedersachsen nötig.“ Nach Untersuchungen verspüre ein Prozent aller erwachsenen Männer pädophile Neigungen, das seien in Niedersachsen immerhin 20 000 Personen. Zwar vergingen sich diese nicht alle gleich an Kindern. Aber diejenigen, die ein Problem- und Unrechtsbewusstsein hätten, müssten auch die Möglichkeit einer Behandlung bekommen.

Das zuständige Sozialministerium in Hannover steht einer solchen Einrichtung offenbar noch abwartend gegenüber.

Die Daten und Erkenntnisse aus Berlin seien noch nicht ausreichend, um schon jetzt von einem erfolgreichen Projekt sprechen zu können, hieß es aus dem Haus der neuen Ressortchefin Aygül Özkan (CDU).

Für Staudte, die sich an der Charité selbst informiert hat, ist dagegen jeder verhinderte Missbrauchsfall ein Erfolg. „Das Projekt ist sicher kein Allheilmittel“ meinte die Abgeordnete mit Blick auf sexuelle Übergriffe innerhalb von Familien. Aber es könne dazu beitragen, sexuelle Gewalt gegen Kinder einzudämmen. Die Kosten hielten sich zudem in einem überschaubaren Rahmen. Für 100 000 bis 200 000 Euro jährlich könne man bereits eine Behandlung in Niedersachsen anbieten. Einen Ableger des Projekts gibt es nach Staudtes Angaben in Kiel, ein weiterer sei in Regensburg geplant.

In Berlin hätten Vertreter aller Berufsgruppen teilgenommen. Gerade mit Blick auf die bekanntgewordenen Missbrauchsfälle in Schulen und Kirchen sei ein solches Angebot immens wichtig.

Von Peter Mlodoch

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