Nicht einmal jedes 10. behinderte Kind besucht eine reguläre Schule

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Niedersachsen hat Nachholbedarf: In einer Grundschule in Lübeck (Schleswig-Holstein) hilft ein Bildschirm-Lesegerät einem stark sehbehinderten Jungen, den Unterricht zu verfolgen.

Hannover. Bei der Einbindung von behinderten und lernschwachen Kindern in den herkömmlichen Schulunterricht ist Niedersachsen Schlusslicht in Deutschland.

Nur 7,2 Prozent der betroffenen Kinder besuchen reguläre Schulen, der Bundesdurchschnitt liegt bei 23,2 Prozent. Das geht aus einer am Donnerstag vorgestellten Studie der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh hervor.

In Bremen gehen bereits 44,1 Prozent der Lernschwachen und Behinderten auf herkömmliche Schulen. Von den Kindergartenkindern sind in Bremen bereits 98,8 Prozent in gewöhnliche Kitas integriert, Niedersachsen kommt auf 48 Prozent. Der Bundesschnitt liegt hier bei 68,1 Prozent. Zugrunde lagen Zahlen für das Schuljahr 2009/2010.

Fortbildung für 1500 Lehrer

Wie ein Sprecher des Kultusministeriums in Hannover erklärte, arbeite Niedersachsen intensiv an einer Ausweitung des gemeinsamen Schulbesuchs für alle Kinder. In diesem und auch in den kommenden beiden Jahren sollten jeweils 1500 Lehrer fortgebildet werden. Mehr als jede dritte Grundschule in Niedersachsen sei inzwischen mit einer sonderpädagogischen Grundversorgung ausgestattet, sagte der Sprecher. Derzeit seien rund 700 Schulen mit mehr als 5800 Klassen beteiligt, im Jahr 2000 waren es etwa 100 Schulen mit rund 550 Klassen.

Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Förderbedarf sei dringend geboten, betonte die Stiftung. Der Anteil der Kinder mit Förderbedarf sei im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. „Mehr als die Hälfte aller Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss kommt in Deutschland aus Förderschulen.“

Außerdem gebe es seit der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen einen Rechtsanspruch auf Unterricht für betroffene Kinder in Regelschulen. Inklusive Bildung ende zu häufig nach der Kita, kritisierte die Stiftung weiter. Viele Kinder müssten deswegen früher oder später auf eine separate Förderschule wechseln. (lni)

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