Bundesamts-Chef Schmidt

Politiker für EU-Flüchtlingszentren in Nordafrika

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Der Präsident des Bundesamtes für Migration, Manfred Schmidt.

Nürnberg - Etwa 3500 Flüchtlinge ertranken 2014 in der Hoffnung auf ein besseres Leben im Mittelmeer - für den Chef des Bundesamtes für Flüchtlinge höchste Zeit, über neue Lösungen und Modelle nachzudenken.

Der Präsident des Bundesamtes für Migration, Manfred Schmidt, hat sich für Flüchtlingszentren der Europäischen Union in Nordafrika ausgesprochen. Das könnte aus seiner Sicht weitere Flüchtlingsdramen mit Toten im Mittelmeer verhindern helfen. Es müssten Modelle gefunden werden, die Schutzsuchenden die lebensgefährliche Flucht über das Mittelmeer ersparten, sagte Schmidt der Deutschen Presse-Agentur. Allein in diesem Jahr seien etwa 3500 Menschen bei der Flucht von Nordafrika nach Europa gestorben.

„Wir müssen uns zum einen etwas einfallen lassen, wie wir zusammen mit den Herkunfts- und Transitländern Schleusern das Geschäftsmodell verderben. Auf der anderen Seite müssen wir es den Flüchtlingen ermöglichen, Schutz zu bekommen, bevor sie in der Wüste verdurstet oder im Mittelmeer ertrunken sind“, sagte der Behördenchef. „Eine Möglichkeit wäre, vor die Schleuser zu kommen.“ Aufnahmezentren der EU könnten etwa auf exterritorialem Gelände im Maghreb entstehen. „Da gibt es aber noch viele offene Fragen“, räumte Schmidt ein.

Schmidt wies Vorwürfe einzelner deutscher Politiker zurück, Italien habe Flüchtlinge ungehindert nach Deutschland weiterreisen lassen, anstatt ihre Asylanträge zu bearbeiten. Vielmehr seien die italienischen Behörden angesichts der hohen Zahl von Flüchtlingen in diesem Jahr häufig mit der Registrierung überfordert gewesen.

Zudem hätten Schlepper vielen Flüchtlingen geraten, sich auf keinen Fall in Italien registrieren zu lassen, weil ihnen damit die Weiterreise nach Deutschland versperrt sei. Manche hätten daher gleich nach ihrer Ankunft den Weg nach Deutschland gesucht, um erst dort Asyl zu beantragen. „Ich kann aber auch nicht ausschließen, dass die italienischen Behörden die Weiterwanderung von Flüchtlingen nicht offensiv genug verhindert haben“, sagte Schmidt.

Inzwischen hätten die italienischen Behörden die Registrierung von Asylsuchenden, die per Boot aus Nordafrika nach Europa flüchten, deutlich verstärkt. Seit rund drei Monaten würden 80 Prozent der in Italien eintreffenden Asylbewerber behördlich erfasst, sagte Schmidt. „Von 160.000 Seelandungen von Asylbewerbern in Italien bis Ende Oktober haben rund 43.000 einen Asylantrag gestellt“, sagte Schmidt. Sie könnten damit nicht mehr ohne weiteres in andere europäische Länder weiterreisen.

dpa

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