Innenminister fordert leichtere Anerkennung von ausländischen Abschlüssen

Schneller in den Job

Uwe Schünemann

Hannover. Niedersachsen setzt sich für eine einfachere Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse ein, um den Fachkräftemangel im Land zu bekämpfen.

„Migranten haben Schwierigkeiten, ihren Berufs- und Hochschulabschluss anerkannt zu bekommen“, sagte Innenminister Uwe Schünemann (CDU) gestern in Hannover. „Das hat zur Folge, dass nur 16 Prozent der Migranten in ihrem erlernten Beruf in Deutschland arbeiten können.“

Die Anerkennung von Abschlüssen müsse schneller, transparenter und einheitlicher werden. Von der Bundesregierung fordert Schünemann eine neue Gesetzgebung, um den Weg aus dem „Zuständigkeitslabyrinth“ zu finden. Akuten Bedarf sieht Schünemann bei Ingenieuren und Pflegeberufen. „Die demografische Entwicklung zeigt aber, das es in den nächsten zehn Jahren auch in vielen anderen Bereichen Probleme geben wird“, betonte der CDU-Politiker. Von einer einheitlichen Regelung könnten alle Seiten profitieren.

Arbeitsagentur verwundert

Eine besondere Verantwortung bei der Anerkennung sieht Schünemann bei der Bundesagentur für Arbeit. „Wichtig ist, dass wir einen Ansprechpartner haben, der eine Lotsenfunktion übernimmt“, sagte Schünemann. In Fällen, in denen eine Nachqualifikation erforderlich ist, forderte er die Agentur auf, „schneller und zielgerichteter zugunsten der Zuwanderer zu handeln“. Es reiche nicht aus, dem Migranten nur eine Telefonnummer in die Hand zu drücken. Auch könne es nicht sein, dass Menschen bis zu eineinhalb Jahre auf die Anerkennung ihrer Abschlüsse warten müssten. „Spätestens nach sechs Monaten muss hier ein Ergebnis vorliegen.“

Die Bundesagentur für Arbeit zeigte sich über den Vorstoß Schünemanns verwundert. „Generell stimmen wir dem Minister zu, dass die Anerkennung schneller geschehen muss“, sagte Michael Köster, Sprecher der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen. „Wenn Herr Schünemann mehr will, müssen die gesetzlichen Bedingungen verändert werden.“ Auch die Lotsenfunktion sei nichts neues. So würden die Mitarbeiter der Auslands- und Fachvermittlungen sehr ausführliche Beratungen durchführen. „Wir tun heute schon sehr viel mehr, als den Migranten einfach eine Telefonnummer in die Hand zu drücken.“

Ein erster „Meilenstein“ für reibungslosere Abläufe ist nach Ansicht Schünemanns ein Orientierungsleitfaden, den er gestern vorstellte. Das Heft bietet Hilfen für Betroffene und listet Beratungsstellen in Niedersachsen auf. (lni)

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