Verband Sicherheitswirtschaft sieht Lücken bei der Ausbildung

Security in Flüchtlingslagern: Im Schnellkurs zum Wachmann

Komplizierter Einsatz: Wachmänner müssen häufig auch Probleme der Flüchtlinge untereinander lösen. Unser Bild zeigt eine Situation vor einer Behörde in Berlin. Foto: dpa

Wiesbaden. Sie sollen für die Sicherheit der 25.835 Flüchtlinge in den Erstaufnahmen und Notunterkünften in Hessen sorgen. Doch wie gut ist das Wachpersonal ausgebildet?

Nicht ausreichend, meint der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft. Ein Überblick:

Die Bedrohung für Flüchtlinge kommt laut hessischem Innenministerium von verschiedenen Seiten: Von Salafisten, die an den Unterkünften für ihre Ideen werben, bis zu Rechtsextremen, die diese Orte als Anschlagsziele ausmachen könnten. Darauf wies der Innenminister Peter Beuth (CDU) kürzlich bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts hin.

Gefahr von Rechts

Insbesondere Rechtsextreme setzten nach Ansicht von Beuth verstärkt auf das Thema Asyl. Insgesamt soll die Zahl bei 222 Gewalttaten gegen Flüchtlinge und Unterkünfte in Deutschland liegen, wie Recherchen der Zeitung „Die Zeit“ ergeben haben. Und: Nazis tauchen teilweise als Wachmänner in Flüchtlingsunterkünften auf. So arbeitete in Heidelberg Berichten zufolge ein Rechtsradikaler als Wachmann.

Die Regelung

Erstaufnahmeeinrichtungen und ihre Außenstellen werden von einem Sicherheitsdienst bewacht, den die hessische Landesregierung per Ausschreibung beauftragt hat. Die meisten Einrichtungen schützt die Firma Pond. Laut Sozialministerium beschäftigt sie 500 Mitarbeiter in den Erstaufnahmeeinrichtungen – teilweise arbeite Pond mit Subunternehmen zusammen. Bei Notunterkünften verhält sich dies anders. Die Landkreise erhalten kurzfristig per Katastrophenschutzbefehl den Auftrag, eine Unterkunft bereitzustellen. Sie sorgen selbst für Sicherheitsdienste, sollen sich aber an die Richtlinien des Landes halten – ob diese aber tatsächlich als Vorschrift an die Kommunen weitergegeben werden und wie diese genau aussehen, konnte das Sozialministerium bisher nicht beantworten.

Die Sicherheit

Die Mitarbeiter der Erstaufnahmen werden vom Landeskriminalamt und dem Verfassungsschutz überprüft, sagt Markus Büttner vom Sozialministerium. Dazu haben die Mitarbeiter eine Einverständniserklärung unterzeichnet. Damit soll verhindert werden, dass Personen etwa mit rechtem oder auch salafistischem Hintergrund ihren Job antreten. Zudem muss sich jeder Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes einer IHK-Sachkundeprüfung gemäß Paragraf 43a der Gewerbeordnung unterziehen. Diese umfasst eine 40-stündige Schulung bei der Handwerkskammer. Gefordert wird laut Sozialministerium unter anderem auch, dass das erweitere Führungszeugnis vorgelegt wird.

Mögliche Schwäche

Bei Notunterkünften sorgen die Kommunen selbst für ihr Sicherheitspersonal. Diese werden nicht vom Landeskriminalamt und dem Verfassungsschutz auf extremistische Hintergründe überprüft. Die Tagesschau schrieb dazu in einem Online-Artikel: Bei Notunterkünften würde es gar keine Standards geben und somit auch keine Überprüfung. Die Kommunen könnten sich aber auch an sie wenden, sagt Markus Gerngroß vom hessischen Verfassungsschutz.

Die Kritik

An der IHK-Prüfung, mit der man als Wachmann arbeiten darf, übt der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) Kritik: Denn die Ausbildung betrage nur 40 Stunden. „Das ist keine Ausbildung oder Qualifikation im herkömmlichen Sinne“, sagt Silke Wollmann, Sprecherin des Verbandes. Es handele sich bei der Schulung um Grundkenntnisse für Wachmänner, das reiche aber für die Arbeit in einer Flüchtlingsunterkunft nicht aus. Dort seien auch andere Kompetenzen gefragt: Zum Beispiel mit den unterschiedlichen Kulturen in den Unterkünften umzugehen. Das könne man etwa erlernen, wenn eine dreijährige Ausbildung zur „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“ absolviert werde. Nur jeder 30. der 200 000 Wachleute in Deutschland habe diesen Abschluss, sagt Wollmann. Der Verband vertritt 900 von 4000 Wachdiensten in Deutschland.

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