Gutachter auf vier Pfoten: Fledermaus-Suchhunde laufen Standorte für Windkraftanlagen ab

Schnüffeln, bis die Maus kommt

Auf der Suche nach sogenannten Schlagopfern: Weimaraner Sweno, hier mit Herrchen Andreas Hahn, ist darauf trainiert, tote Fledermäuse aufzuspüren. Foto:  dpa

Hannover. Schwierige Bedingungen für Terrier Fina: Kaum ein Lüftchen weht auf dem Feld. Finas soll tote Fledermäuse aufspüren. Noch trainiert Kerstin Pankoke aus Schneverdingen mit Fina, künftig soll der Terrier der Gutachterin bei der Arbeit helfen. Zu Pankokes Aufträgen zählt, unter Windrädern nach sogenannten Schlagopfern zu suchen - das sind Fledermäuse, die von den Rotorblättern getötet wurden.

Gefahr am Waldrand

„Hunde finden die Schlagopfer in jedem Fall besser als Menschen“, sagt sie und beruft sich auf Studien wie die des US-Amerikaners Edward Arnett. Schon wenn ein Standort für Windmühlen festgelegt wird, verlangen die Genehmigungsbehörden Analysen, ob Fledermauspopulationen beeinträchtigt sein könnten. Eine Studie des Naturschutzbundes Nabu hat ergeben, dass Fledermäuse an Waldstandorten häufiger verunglücken als an anderen.

„Wenn das Risiko besteht, dass Populationen ausgerottet werden, dann können wir verfügen, dass bestimmte Abschaltzeiten eingehalten werden“, erläutert Svenja Stelse-Heine vom Landkreis Heidekreis, der mit entsprechenden Standort-Genehmigungen befasst ist. „Entweder ist es so klar, dass das gleich in die Baugenehmigung geschrieben wird, oder wir machen den Betreibern die Auflage, nach dem Bau ein Suchmonitoring zu veranlassen.“ Hunde werden dabei derzeit noch kaum eingesetzt, nur wenige Gutachter bilden Tiere für die Suche aus.

Ausdauer ist gefragt

Einer davon ist Andreas Hahn aus Feuerschützenbostel. Mit seinem Hund Sweno, einem Weimaraner, hat er mehrfach nach toten Fledermäusen unter Windrädern gesucht. Keine leichte Aufgabe: „Der Hund muss lange durchhalten und Leistung bringen“, sagt Stelse-Heine. „Das kann er nur, wenn er gut ausgebildet ist.“ Die Nachsuche mit Hunden sei darum teurer als eine akustische Messung, die die Fledermausaktivitäten auf Gondelhöhe aufzeichnet.

Michael Löhr von der Juwi Holding AG, die Windparks plant, weiß von keinem Fall im Konzern, bei dem Fledermäuse zu ernsthaften Konflikten in bestehenden Windparks geführt hätten. Friederike Eggstein vom Energieunternehmen EnBW erklärt: „Diese Monitorings sind eine Naturschutzauflage, die Standard ist. Mögliche Abschaltzeiten, auch aus anderen Gründen, fließen da gleich in die Wirtschaftlichkeits-Berechnung mit ein“.

Stelse-Heine würde bei künftigen Analysen gern öfter Hunde im Einsatz sehen. „Man rechnet so viel in Wahrscheinlichkeiten. Darum brauchen wir die Ergebnisse von Hunden auf jeden Fall für den wissenschaftlichen Vergleich.“ Eine Kombination von akustischen Messungen und der Suche mit Hunden sei optimal. (lni)

Von Petra Reinken

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