Prozess nach Berufung vor Landgericht

Schockanrufe: Es bleibt bei der Haftstrafe

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Kassel / Baunatal. Mit sogenannten Schockanrufen hatte eine Bande aus Litauen Menschen in Deutschland nicht nur in Angst und Schrecken versetzt, sondern einigen auch Geld abgeknöpft. Betroffene kamen auch aus Baunatal, Hofgeismar und Homberg.

Zwei Männer, die das in den Anrufen geforderte Geld abholen sollten, waren vom Amtsgericht Kassel Anfang des Jahres verurteilt wurden. Die dreieinhalbjährige Haftstrafe für einen 34-Jährigen bestätigte am Freitag das Landgericht Kassel, es wies die Berufung zurück.

Ein 70-Jähriger aus Hofgeismar hatte im August vergangenen Jahres einen Anruf bekommen, in dem sich eine weibliche Stimme als seine Tochter ausgab.Sie sei auf einer Treppe ausgerutscht und habe eine andere Person verletzt, die Behandlung werde 10.000 Euro kosten, hieß es. Der alte Herr war bereit, das Geld zu zahlen, der Angeklagte holte die Summe in Hofgeismar ab und kassierte von seinen Auftraggebern 300 Euro.

Bei einer 78-Jährigen in Baunatal entstand zwar kein finanzieller Schaden, dafür dürften die psychischen Folgen erheblich sein. Auch bei ihr meldete sich eine weibliche Stimme, die sich als Tochter ausgab. Wieder ging es um einen angeblichen Unfall auf einer Treppe. Die Frau hatte nur 2000 Euro zu Hause, die wollte sie jedoch zahlen.

Als der Angeklagte das Geld abholen wollte, war die richtige Tochter allerdings zu Hause eingetroffen, so dass die Sache aufflog. Der 34-Jährige musste ohne Beute von dannen ziehen. Die betroffene Frau leidet bis heute unter dem Vorfall, ihr Mann und ihr Sohne waren kurz zuvor gestorben. Bei einem Versuch blieb es auch in Homberg.

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Nach derselben Masche wie in Hofgeismar und Baunatal wurde eine Familie aufgefordert, 10.000 Euro zu zahlen, wieder ging es um die Tochter, durch deren Schuld jemand zu Schaden gekommen sei, so dass Behandlungskosten anfielen. Als die Tochter nach Hause kam, zeigte sich, dass nie ein Unfall passiert war.

Der Angeklagte hatte bereits vor dem Amtsgericht alles gestanden, auch vor dem Landgericht zeigte er sich reuig. „Ich entschuldige mich, es tut mir leid.“ Sein Anwalt Klaus-Uwe Haake sagte, sein Mandant, sei das „schwächste Glied“ in der Kette der Beteiligten gewesen. Er sei von seinen Auftraggebern in Litauen „an der langen Leine geführt“ worden und habe den Großteil des Geldes an sie abgeben müssen. Außerdem sei es in zwei Fällen beim Versuch geblieben. Mit Blick darauf verlangte Haake eine Strafe unter drei Jahren.

Die Berufungskammer des Landgerichts befand das Urteil der ersten Instanz jedoch für korrekt, unter anderem im Hinblick auf die Vorstrafen des Angeklagten. Die Berufung wurde deshalb zurück gewiesen, es bleibt bei dreieinhalb Jahren Haft.

Von Ralf Pasch

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