Schlechte Erfahrungen mit Druckschrift in EU-Nachbarn

Der Schreibschrift droht das Ende - Immer seltener an Schulen gelehrt

Kassel. er Umgang mit dem Smartphone oder dem Tablet ihrer Eltern bereitet den meisten Grundschülern keine Probleme. Dagegen kämpfen einige von ihnen in der Schule mit dem großen G oder dem kleinen h. Experten fragen sich daher, ob die Schreibschrift überhaupt noch zeitgemäß ist?

Früher wurden im linierten Heft Schwünge, Bögen und Kringel geübt. Bis in die 80er Jahre hinein dominierte im Westen die verschnörkelte Lateinische Ausgangsschrift, in Ostdeutschland wird noch mit der schlichteren Schulausgangsschrift begonnen.

Bundesweit lernen nach Einschätzung der Schulbuchverlage die meisten Erst- und Zweitklässler eine vereinfachte Schreibschrift, auf die jedoch mehr und mehr Schulen verzichten. Droht die Schreibschrift auszusterben?

Der Grundschulverband propagiert seit einigen Jahren eine neue Grundschrift, die aus zu verbindenden Druckbuchstaben besteht. Damit sollen Kinder früher zur eigenen Handschrift finden. Die meisten Bundesländer stellen es den Lehrerkollegien frei, welche Schrift gelehrt wird. Zielvorgabe ist nur, dass Schüler in der vierten Klasse gut lesbar und flüssig schreiben.

Hintergrund: Die Regelungen in Hessen und Niedersachsen 

• In Hessen wird laut Kultusministerium an den meisten Grundschulen weiterhin die 1995 eingeführte vereinfachte Ausgangsschrift gelehrt. Sie ist aber nicht zwingend. Wichtig ist, dass die Kinder nach der vierten Klasse in für andere gut lesbarer Handschrift flüssig schreiben können. Die verbundene Schrift wird als „Zwischenstation“ auf dem Weg zur persönlichen Handschrift angesehen.

• In Niedersachsen entscheiden die Fachkonferenzen an Grundschulen darüber, welche Schriften gelehrt werden, um Probleme beim Klassenwechsel zu verhindern. Die Kinder sollen eine verbundene Schrift kennen und müssen sowohl Druck- als auch Schreibschriften lesen können. Kriterium für die Wahl sind Lesbarkeit und Schreibtempo, so das Kultusministerium Hannover.

Das ist die Theorie. In der Praxis wird aus den bemüht schönen Schwüngen häufig ein kaum zu entzifferndes Gekrakel. „Viele Lehrer klagen, dass Schüler nicht lesbar schreiben können“, sagt Erika Brinkmann, Professorin an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd und Vorstandsmitglied des Grundschulverbands. Sie sieht in der Grundschrift einen Ausweg aus der Misere. Erste Untersuchungen in Bremen zeigten, dass Linkshänder, Schüler mit der Aufmerksamkeitsstörung ADHS sowie Jungen allgemein besser mit ihr zurechtkämen.

Die Münchner Grundschulpädagogin Ute Andresen hält hingegen die Grundschrift für eine Notlösung mit unkalkulierbaren Folgen. „Es droht ein Bildungs- und Kulturverlust“, sagt die Gründerin des Vereins Allianz für die Handschrift. Nur mit einer echten Schreibschrift könne ein Schreiber seine Gedanken fließen lassen, betont sie. In Ländern wie England oder Kanada, die lange allein auf Druckschrift gesetzt hätten, gebe es bereits ein Umdenken.

Diese Schriften werden aktuell an deutschen Grundschulen gelehrt.

Die Hamburger Schreibtrainerin Susanne Dorendorff schimpft: „Die Grundschrift ist eine Frechheit. Den Kindern wird selbst überlassen, eine Schrift auszuformen.“ Von positiven Erfahrungen berichtet dagegen Cornelia Breitkreuz von einer Grundschule bei Hamburg. Hier wurde die Schreibschrift vor einem Jahr ohne viel Aufhebens für die Erst- und Zweitklässler abgeschafft. (dpa)

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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