Schulsystem: Abschied vom Flickenteppich gewünscht

+
Bundesbildungsministerin Annette Schavan

Berlin - Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) wünscht sich mehr Einheitlichkeit im deutschen Schulsystem und hat die Länder in der Bildungspolitik zu mehr Zusammenarbeit und weniger Alleingängen aufgerufen.

Nötig sei mehr Vergleichbarkeit zwischen den Ländern, anstatt immer neuer ideologischer Debatten und Alleingänge, sagte Schavan am Donnerstag im Bundestag. Thüringens Bildungsminister Christoph Matschie (SPD) hielt dagegen, die Länder bräuchten “keine Sonntagsreden, in denen Gemeinsamkeit beschworen wird“, sondern vor allem mehr Geld für ihre Kernaufgabe Bildung.

Bildung ist in Deutschland Ländersache. Die Schulsysteme sind deshalb von Land zu Land sehr unterschiedlich. Entstanden ist ein unübersichtlicher Flickenteppich an Schulformen.

Gute Noten ohne Pauken? Schleimen will gelernt sein

Wer in der Schule gute Noten haben will, muss nicht unbedingt besonders schlau sein. Wichtig ist auch: Der Draht zum Lehrer muss stimmen. Wir geben euch wichtige Tipps, wie Ihr Eure mündlichen Noten ganz ohne tägliches Pauken aufpolieren könnt. © dpa
Melde dich, auch wenn du gar keine Ahnung hast. Beim Melden gilt: Der Finger darf erst nach oben, wenn sich mindestens sechs Leute bereits gemeldet haben. Sonst ist das Risiko zu groß. Solltest du doch drankommen, w iederhole einfach, was bereits der Vorgänger gesagt hat. © dpa
An deiner Schule wird gestreikt? Nichts wie ab mit dir ins Klassenzimmer. Dort kannst du dich mit deinem Lehrer über die Unreife deiner Mitschüler austauschen oder über den Sinn einer Demonstration diskutieren. Wichtig: Den Mitschülern später erzählen, dass du Brechreiz hattest und den Schulstreik leider auf dem Klo verbringen musstest. © dpa
Dein Lehrer wird auf „Spick mich“ fertig gemacht? Starte kurz vor der Stunde eine Diskussion über die Aussagen deiner Mitschüler auf dem Portal. Betone, dass der Unterricht von ihm doch gar nicht sooo schlecht sei. Nicht vergessen: Die Tür zum Klassenzimmer sollte offen stehen, sonst bekommt der Lehrer im Gang von deiner Aktion nichts mit. © dpa
Dein Lehrer hat ein besonderes Hobby? Dann kannst du beim Schulausflug mit einem Vorschlag Punkte sammeln. „Ach Herr X, der Besuch einer Orchideenzuchtstation wäre doch fantastisch.“ Die Kunst dabei: Was beim Lehrer glaubhaft ankommen muss, sollte von deinen Mitschülern als echter Brüller wahrgenommen werden. © dpa
Stelle blöde Fragen. Nichts ist so wirkungsvoll und zeigt dein geheucheltes Interesse besser. Voraussetzung ist, dass du dem Unterricht zumindest teilweise folgst. Bitte den Lehrer nie mit zu schwierigen Fragen überfordern. Offenbarst du sein Unwissen, wird er dir das nie verzeihen. © dpa
Zeige deinem Lehrer, dass sein Job nicht völlig sinnlos ist. Sage gelegentlich etwas Kluges. Das meiste steht in deinem Schulbuch. Einfach ablesen. © dpa
Wisch die Tafel. Dabei solltest du immer den letztmöglichen Moment abwarten. Der Lehrer muss dein Engagement ja auch bemerken. Auch hier gilt: Tue Gutes und rede darüber. „Also nächste Woche kann wirklich mal jemand anderes die Tafel wischen.“ © dpa
Frage deinen Lehrer nach der Stunde nach Lektüretipps. Das Problem dabei: Du musst nach ein paar Wochen zumindest in die Werke reingelesen haben. © dpa
Nutze die modernen Medien: „Herr Lehrer, steht dazu auch ein Beitrag im Internet?“ © dpa
Zeige ökologisches Bewusstsein. Besonders bei Biologielehrern ist es wichtig, sich als weltoffener Mensch mit einem Verständnis für Klimapolitik und gesunder Ernährung zu präsentieren. Bestes Beispiel: Den Mc Donalds um die Ecke meiden und sein eigenes Vollkornbrot mitbringen. © dpa
Rede über deine außerschulischen Engagements.  Nichts zieht so gut, wie im richtigen Moment einfließen zu lassen, dass du am Wochenende auf einer politisch korrekten Demo warst. Auch hilfreich bei der Image-Pflege: „Herr Lehrer, was würde eigentlich gegen eine einheitliche Schulkleidung sprechen?“ © dpa
Schaue gespannt auf das Gesicht deines Lehrers. Nichts ist so wichtig wie die Optik. Selbst wenn der Unterricht zum Sterben langweilig ist, musst du interessiert schauen. Denke dabei einfach an etwas Schönes und schenke der Lehrkraft in regelmäßigen Abständen ein Lächeln. © dpa

Schavan mahnte, der Weg zur “Bildungsrepublik Deutschland“ führe auch über eine stärkere Angleichung der Schulsysteme. Mobilitätshindernisse müssten abgebaut werden. Eltern bräuchten mehr Verlässlichkeit, wenn sie mit ihren Kindern umzögen.

Die rheinland-pfälzische CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner sagte, die Schulsysteme müssten “nicht von heute auf morgen, aber Schritt für Schritt“ ähnlicher werden, damit Familien beim Umzug von einem Bundesland ins andere nicht das Gefühle hätten, “den Kontinent zu verlassen“. Nötig seien vergleichbare Abschlüsse und Standards. 

Gysi beklagt “Schwachsinn“ im Schulsystem

Auch Links-Fraktionschef Gregor Gysi spottete, 16 völlig unterschiedliche Schulsysteme seien “Unsinn“. Viele Länder legten inzwischen ihre Haupt- und Realschulen zusammen, aber alle unter anderem Namen - als Sekundarschule, Mittelschule, Oberschule, erweiterte Realschule oder Realschule plus. “Erklären Sie mal den Leuten diesen Schwachsinn, die wissen ja gar nicht, wo sie ihre Kinder hinschicken sollen“, sagte er.

Der Ruf nach weniger Alleingängen löste auf Länderseite kaum Begeisterung aus. Thüringens Ressortchef Matschie mahnte, Schavans “schöne Reden“ über mehr Gemeinsamkeit seien keine Hilfe. Der Bund müsse die Länder finanziell stärker unterstützen. Länder und Kommunen hätten die Hauptlast der Bildungsausgaben zu tragen und gerieten hier an ihre Grenzen. Er forderte einen neuen Bildungsgipfel, um die offenen Finanzfragen zwischen Bund und Ländern endlich zu klären. Der FDP-Bildungsexperte Patrick Meinhardt entgegnete, die SPD-regierten Länder hätten den jüngsten Gipfel blockiert.

Bund und Länder streiten seit Jahren um die Bildungsausgaben. 2008 hatten beide Seiten auf dem ersten Bildungsgipfel das Ziel ausgegeben, die Investitionen in Bildung und Forschung bis 2015 auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern. Auf einen konkreten Weg konnten sie sich bislang jedoch nicht einigen. Auch der dritte Bildungsgipfel im vergangenen Jahr scheiterte. Die Länder verlangen zusätzliche Mehrwertsteueranteile, um die Ausgaben zu decken. Der Bund lehnt das ab.

Eine Erschwernis beim Finanzgerangel ist das sogenannte Kooperationsverbot. Die Regelung untersagt es dem Bund bislang bis auf wenige Ausnahmen, die Länder bei der Bildung finanziell zu unterstützen. 

Abschied vom Kooperationsverbot

Der bildungspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Albert Rupprecht (CSU), sprach sich für eine Lockerung der Regel aus. Der Bildungsföderalismus sei notwendig und richtig, dennoch könne das strenge Kooperationsverbot aufgeweicht werden, wenn Länder und Kommunen dies wollten, sagte er. Die Grünen-Bildungspolitikerin Priska Hinz äußerte sich erfreut über Rupprechts Haltung. Wenn inzwischen alle Fraktionen im Bundestag für eine Lockerung seien, sollte sich das Parlament an die Arbeit machen und eine Grundgesetzänderung angehen, appellierte sie.

SPD, Linke und Grüne fordern seit langem eine Abkehr vom Kooperationsverbot. Auch in der Union und der FDP wächst die Zahl der Sympathisanten für eine Änderung. Auf Länderseite gibt es jedoch Widerstand. Der “bildungspolitische Eifer“ der Länder sei nicht verwunderlich, sagte Klöckner, schließlich sei die Bildung “das letzte wichtige Feld, was den Ländern geblieben ist“.

dapd

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.