Schulwahlkampf ist längst eröffnet

Heike Habermann (SPD) will zurück zu G9. In Ausnahmen sei aber auch G8 zu erlauben.

Wiesbaden. Noch steht nicht einmal der genaue Termin für die nächste Landtagswahl in Hessen fest, doch der Wahlkampf hat zumindest auf dem Feld der Schulpolitik schon begonnen.

Hauptkontrahenten sind die CDU/FDP-Koalition auf der einen und die SPD auf der anderen Seite. Die Grünen versuchen derweil, sich dem Wähler mit dem Aufruf zum Schulfrieden als besonnene Alternative zu nähern. Im Zentrum des Streits derzeit steht die gymnasiale Schulzeit.

Die CDU/FDP-Koalition will den Gymnasien freistellen, zur neunjährigen Gymnasialzeit zurückzukehren. Sie will verhindern, dass die aus ihrer Sicht hervorragende Schulpolitik der Regierung wegen G8 kaputtgeredet wird.

Ministerpräsident Volker Bouffier gestand gestern den Fehler ein, die Gymnasien vor acht Jahren flächendeckend zu G8 verpflichtet zu haben. Sein Credo jetzt: „Wir wollen die Schulvielfalt erhalten und den Schulen so viel Selbstständigkeit wie möglich anbieten.“

SPD und Linke wollen G8 abschaffen. Allerdings will die SPD „abweichend von der Regel“ auch ein verkürztes Angebot ermöglichen. Die Grünen, die im Jahr 2008 die Wahlfreiheit für die Kooperativen Gesamtschulen durchgesetzt hatten, stimmen zwar jetzt mit der schwarz-gelben Koalition. Sie erwarten aber, dass das Kultusministerium den Elternwunsch in Regionalkonferenzen abklärt. Man wolle verhindern, dass das G9-Angebot zum Schluss aufgrund der Kürze der Vorbereitungszeit doch nicht reicht, erklärt der schulpolitische Sprecher Mathias Wagner.

Die SPD will eine Schulzeitverkürzung statt in der Mittelstufe in der Oberstufe ermöglichen. In Modulen sollen die Schüler die erforderlichen Leistungen bis zum Abitur je nach Lerntempo in zwei bis vier Jahren erbringen. SPD- Schulexpertin Heike Habermann sagte gestern, dieses Konzept müsse zunächst erprobt werden.

Auch die Grünen wollen eine flexible Oberstufe im Rahmen von Modellversuchen testen. Die Linke strebt eine Schulzeitverkürzung generell nicht an.

Mit besonders harten Bandagen wird der Streit um das von SPD, Grünen und Linken grundsätzlich befürwortete längere gemeinsame Lernen geführt, das die frühe Einsortierung von Kindern in bestimmte Bildungsgänge verhindern soll. Danach bieten die weiterführenden Schulen eine gemeinsame Mittelstufe an, in der Kinder individuell gefördert werden. Dahinter steht die Idee, dass jedes Kind etwas beitragen kann, von dem andere profitieren.

Die „Schule der Vielfalt“, der Gegensatz zu der Vielfalt der Schulen im Koalitionskonzept, werde wegen der großen Umstellungen nicht von oben verordnet, heißt es im Entwurf des Wahlprogramms der SPD. Auch die Grünen wollen ihre „Neue Schule“ auf freiwilliger Basis einführen.

Die CDU/FDP-Koalition hat sich unterdessen auf die angebliche SPD-„Einheitsschule“ eingeschossen, die rein ideologisch untermauert sei.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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