Schutzmann oder Krieger?

Bedrohung durch Terror: Akademie-Tagung behandelt Dilemma von Polizisten

Hofgeismar. Die Bedrohung durch Terrorismus schürt große Ängste in der Bevölkerung. Doch auch Polizisten stellt sie vor große Herausforderungen, sowohl strategisch als auch moralisch.

Was die Terrorgefahr für das Selbstverständnis von Polizisten bedeutet, wurde bei der Polizeitagung in der Evangelischen Akademie Hofgeismar diskutiert.

„Schutzmann oder Krieger?“ lautet der Titel der jährlichen Veranstaltung, die heute endet. Und der trifft das Dilemma, in dem sich viele Polizisten sehen, sehr gut.

„Früher hatten wir mit Banküberfällen zu tun. Da wollten die Täter das Geld und dann wieder weg. Terroristen wollen aber nicht weg, sie wollen spätestens in der Auseinandersetzung mit der Polizei sterben“, sagte gestern der Leitende Kriminaldirektor des Hessischen Landeskriminalamtes, Dieter Rein, in seinem Vortrag „Strategien der Polizei angesichts terroristischer Bedrohung“.

Um schnell handeln zu können, bilde die hessische Polizei Beamte im Streifendienst darin aus, gegen schwer bewaffnete Gewalttäter auch vor dem Eintreffen von Spezialkräften vorgehen zu können. Diese sogenannten Notinterventionsteams, ausgestattet mit besonderen Schutzwesten und schusssicheren Helmen, würden während ihrer Ausbildung mit Toten, Hilfesuchenden, Menschen in Panik und mit einem Täter konfrontiert, der ein Märtyrer sein wolle. „Das müssen sie erst einmal verarbeiten“, so Rein. Neben dem Wunsch nach mehr psychologischer Hilfestellung und besserer Ausstattung, drückten einige Tagungsteilnehmer ihre Sorge vor einer Militarisierung der Polizei vor dem Hintergrund terroristischer Bedrohung aus. Sie wollten Schutzmann sein, keine Krieger, so der Tenor.

„Mehr Schutzraum für Schutzleute“ forderte Landespfarrer Werner Schiewek in seinem Vortrag zum Thema „Terrorismus, Polizei und Ethik“. Er ist Lehrbeauftragter der Evangelischen Kirche Deutschlands für Ethik im Polizeiberuf an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster-Hiltrup. Es seien die Polizisten, die in einer Bedrohungslage Entscheidungen treffen müssten. „Dabei haben sie nur die Wahl zwischen dem größeren und dem kleineren Übel. Moralisch gesehen kommen sie da nicht heil raus“, erklärte er den Tagungsteilnehmern. Denn das Problem sei, dass sie vorher nicht wüssten, was das kleinere Übel ist. „Entscheiden heißt also immer, sich schuldig zu machen“, so Schiewek. Fotos: Schippers

Vorträge bei der öffentlichen Tagung heute: • 9.15 bis 10.40 Uhr: Terrorismus, Polizei und Seelsorge, Dr. Martin Schulz-Rauch, Pfarrer im Polizeipfarramt der Evangelischen Kirche in Hessen und Naussau • 11 bis 12.30 Uhr: Terrorismus, Polizei und Politik, Innenminister Peter Beuth (CDU)

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