60 statt bisher 40 Euro

Schwarzfahren in Bus und Bahn kostet bald mehr

Ohne Ticket wird es teurer: S-Bahn-Kontrolleur mit Schwarzfahrer in Berlin. Foto: dpa

Ohne Ticket in Bus und Bahn - wer erwischt wird, zahlt künftig 60 statt 40 Euro. Zwölf Jahre nach der letzten Anhebung gibt es nun einen Schwarzfahrer-Aufschlag von 50 Prozent.

Alles sei teurer geworden, argumentierte der Bundesrat zur Begründung, das „erhöhte Beförderungsentgelt“ anzuheben.  Verkehrsunternehmen hätten wegen der Kontrollen üppige Kosten.

Scharf gestellt zum 1. August: Im Gebiet von VSN (Südniedersachsen) und NVV (Nordhessen) werden 60 Euro ab 1. August kassiert, ebenso in Zügen der Deutschen Bahn. Berlin und Stuttgart stellen schon heute um.

Es geht um Millionen: Auf 250 Mio. Euro schätzen die Verkehrsunternehmen den jährlichen Verlust durch nicht gekaufte Tickets, 100 weitere Millionen geben sie für Kontrollen aus. Die Kriminalstatistik notierte für 2014 genau 271 119 Fälle von „Beförderungserschleichung“, wie Schwarzfahren amtlich heißt - Tendenz steigend, auch weil stärker kontrolliert wird.

Wieso Kriminalstatistik? Das „Erschleichen von Beförderungsleistungen“ kann nach Paragraf 265a Strafgesetzbuch auf Antrag der Verkehrsunternehmen als Straftat verfolgt werden. Je nach den Umständen werden auch Urkundenfälschung oder Betrug daraus.

60 Euro als Abschreckung: Keiner weiß, was der Aufschlag wirklich taugt. Die Verkehrsunternehmen hätten von Wiederholungstätern gern bis zu 120 Euro genommen. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (Vzbv) glaubt nicht, dass die Erhöhung notorische Schwarzfahrer abschreckt. Er hätte lieber geschlossene Zugangssysteme zu Bussen und Bahnen mit Sperren und Schranken - im Ausland teils noch üblich, bei uns längst abgeschafft.

Nicht alle Schwarzfahrer haben böse Absichten: Mal müssen Tickets vor der Fahrt gekauft werden, mal in der Bahn, mal müssen sie abgestempelt werden, mal nicht, kritisieren Vzbv und Fahrgastverband Pro Bahn. Mancher Reisende scheitere schlicht am Ticketautomaten. Für sogenannte Graufahrer sieht der Gesetzgeber Kulanzregelungen vor. Anwälte wie der Berliner Steffen Dietrich (schwarzfahren-berlin.de) bieten online sogar Erste Hilfe für ertappte Leute ohne Ticket an.

Das wird im Ausland kassiert: In Irans Großstädten müssen ertappte Schwarzfahrer aussteigen, in Athens Metro (Fahrpreis 1,20 Euro) sind 72 Euro fällig. Viele Kontrolleure wurden weggespart - also wird kaum kontrolliert. Wien nimmt von Schwarzfahrern 103 Euro (VIP-Ticket), Paris fünf bis 60 Euro. London steigt mit gut 50 Euro ein - es können über 1000 werden.

Die Tricks der Schwarzfahrer

• Kontrolleur steigt vorn ein, Schwarzfahrer hinten aus - dagegen gehen Unternehmen längst mit Kontrolltrupps vor.

• Über Smartphone-Apps (SchaffnerRadar) und Facebook-Seiten, mit denen Schwarzfahrer sich über Kontrolleinsätze aktuell informieren, wird seit Jahren berichtet.

• Andersherum beschreiben Fachblätter, wie Systemfehler von Verkehrsverbund-Apps sich ausnutzen lassen - natürlich mit dem Hinweis: „Wir wollen nicht zum Schwarzfahren animieren!“

• Wo Fahrkarten – etwa Ländertickets – Mitnahmemöglichkeiten für weitere Personen bieten, wird mit diesen Plätzen privat gehandelt. Ticketschlepper stellen für die Geltungsdauer einer Karte möglichst viele zahlende Gruppen zusammen.

• Ausreden wie: „Mein Hund hat mein Ticket gefressen!“

Gegen Schwarzfahrer

Berlins Naturfreunde werben über ticketteilen.org dafür, auf der VBB-Umweltkarte, die werktags nach 20 Uhr und am Wochenende rund um die Uhr Mitfahrer zulässt, gratis Hartz-IV-Empfänger und andere Arme mitzunehmen – um sie gerade nicht zu Schwarzfahrern zu machen.

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