Diskriminierung

Schluss mit Schwarzfahren in Hannover: Verkehrsbetriebe wollen Sensibilität für Rassismus stärken

Nach Berlin, Nürnberg und München verzichtet auch Nahverkehr in Hannover auf Begriff „Schwarzfahren“. Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland erklärt Hintergrund.

Hannover – Die hannoverschen Verkehrsbetriebe Üstra haben bekannt gegeben, ohne Ticket mitzureisen nicht mehr als „Schwarzfahren“ bezeichnen zu wollen. „Wir tragen damit der Tatsache Rechnung, dass die Sensibilität für Rassismus stärker geworden ist und das begrüßen wir sehr“, sagte Üstra-Sprecher Udo Iwannek der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Als neue Bezeichnung für entsprechende Menschen würde „Personen ohne gültigen Fahrschein“ eingeführt. Zuvor hatte die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (HAZ) darüber berichtet. Zuletzt habe die Üstra die Bezeichnung zu Jahresbeginn in einer Pressemeldung genutzt. Fahrgastinformationen und Aushänge, die den Begriff noch beinhalten, wolle man anpassen.

"Schwarzfahren" gehört auch in Nürnberg, München und Berlin der Vergangenheit an

In Berlin sowie den beiden größten bayerischen Städten München und Nürnberg verzichten die Anbieter des öffentlichen Nahverkehrs eigenen Angaben zufolge seit Jahren auf das Wort. „Plakate mit dem Begriff „Schwarzfahren“ verwendet die MVG schon seit einigen Jahren nicht mehr“, hieß es aus München. In Nürnberg werde der Begriff „Fahren ohne gültigen Fahrausweis“ verwendet, sagte eine Sprecherin am Freitag.

Fahrkartenkontrolle: Den Begriff „Schwarzfahrer“ für Menschen, die ohne Ticket mitreisen, schaffen immer mehr Städte ab. (Symbolbild)

Eine Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erklärte, die Bezeichnung werde – abgesehen von einer satirischen Werbekampagne vor einigen Jahren – auch in der Hauptstadt nicht mehr genutzt. Im September 2020 hatte Berlin ein „Diversity-Landesprogramm“ eingeführt, das die Verwaltung grundsätzlich auffordert, sensibel mit Sprache umzugehen.

„Schwarzfahren“ – Begriffsherkunft nicht rassistisch

Die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD) hat sich über die Neuerung in Hannover laut der „HAZ“ positiv geäußert. „Es ist begrüßenswert, denn der Begriff hat für schwarze Menschen einen negativen Anklang“, sagte ISD-Sprecher Tahir Della.

Zwar habe der Begriff keine rassistischen Hintergründe, allerdings habe er eine rassistisch anklingende Wirkung bei Betroffenen. „Auch wenn Schwarzfahren überhaupt nicht rassistisch angelegt war, ist trotzdem die Wirkung bei Betroffenen, dass schwarz für etwas Negatives steht, für Kriminalität etwa oder Illegalität.“

Mit der Hautfarbe hat der Begriff eigentlich nichts zu tun. Er kommt vom jiddischen Wort shvarts – auf deutsch „arm“. Sprache und deren Interpretation verändere sich allerdings. Es sei sinnvoll, sie auf den Prüfstand zu stellen und ihre Wirkung neu zu überprüfen. Dies geschieht derzeit immer wieder auch mit rassistischen Markennamen von etwa Lebensmitteln. Grundsätzlich sei laut Della sinnvoll, explizit schwarze Menschen zu fragen, wie sie bestimmte Begriffe wahrnehmen. (dpa/afp/tk)

Rubriklistenbild: © Daniel Reinhardt/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.