Interview mit dem Mönch Pater Meinrad:  „Schweigen statt schwatzen“

Das ist jetzt in: Viel Obst und Gemüse. Mit der richtigen Einstellung klappt auch das Durchhalten in der Fastenzeit. Foto: dpa

Am Aschermittwoch ist alles vorbei, die Fastenzeit beginnt. Viele Menschen verzichten auf leibliche Genüsse. Ein Interview mit dem Mönch Pater Meinrad.

Heute am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Wir haben mit Benediktinermönch Pater Meinrad über den Sinn des Fastens gesprochen, und was es dabei zu beachten gilt.

Pater Meinrad, was bedeutet die Fastenzeit für Sie? 

Pater Meinrad: Die Fastenzeit ist ein Hinweg zu Ostern, dem Fest der Auferstehung Jesu, des neu werdenden Lebens. Das heißt, dass man vorher Altes abräumt, aufräumt und ordnet. Verzicht, Reduzierung und Askese sind Methoden dieses Neuordnens. Ausgenommen von der Fastenzeit sind die Sonntage - die stehen für ein üppigeres Mahl zur Verfügung. Das eine tun, ohne das andere zu lassen: Dabei bleibt Leben gesund.

Warum fastet man gerade vor Ostern? 

Pater Meinrad: Die 40 Tage vor Ostern sind in besonderer Weise der Lebenshingabe Jesu gewidmet. Es geht darum, das Leid Jesu, das am Karfreitag mit der Hinrichtung endet, zu begleiten. Das geschieht mit der reinigenden Zeit des Fastens. Im Christentum ist es aber auch vor anderen Festen wie Pfingsten oder Weihnachten üblich, einen Tag zu fasten.

Wie hängen Feiern und Verzicht zusammen? 

Pater Meinrad: Die Intensität des Lebendigen wird immer nur mithilfe von Gegensatzpaaren wahrgenommen. Auch die Fastnacht ist ein urchristlicher Vorgang, um vor den Fastentagen noch einmal ordentlich auf den Putz zu hauen.

Was ist der Sinn des Fastens? 

Pater Meinrad: Es geht darum, einmal das Gegenteil von dem zu tun, was man sonst immer macht: Der Schwätzer schweigt, der Rastlose ruht. Zunächst entsteht eine Vakuumssituation, die sich aber schnell mit inneren Erfahrungen unterschiedlichster Art füllen kann: Mit einer Leichtigkeit, mit einer größeren Sensibilität oder mit einer größeren Wachheit in geistlichen und menschlichen Beziehungen. Das Fasten will keine asketische Leistung, denn sonst würde sich der Mensch wieder mit sich selbst mästen.

Wie fastet man richtig? 

Pater Meinrad: Die alten Schriften sagen, dass das Fasten eine Trias aus Fasten, Gebeten und Almosen sein soll. Das Fasten soll an erster Stelle leise und ohne Aufsehen zurückgezogen geschehen. Zweitens soll es ohne Ehrgeiz und narzisstischer Selbstbespiegelung geschehen. Drittens soll der Verzicht den Menschen reinigen und öffnen für Gott, Mitmenschen und ein sensibleres Leben.

Viele Menschen verzichten in dieser Zeit auf Süßigkeiten, Alkohol oder Zigaretten. Was halten Sie davon? 

Pater Meinrad: Das sind alles gute Formen des Verzichts. Es geht darum, seine äußeren Befriedigungen ein wenig zurückzustellen. Beim Verzicht auf Süßigkeiten geht es darum, auch mal den Frust auszuhalten. Vor allem das Handy-Fasten finde ich ungeheuer wertvoll. Das ist ja die Fiktion, ich müsste immer erreichbar sein, ansonsten würde die Welt stehen bleiben. Das ist eine völlige Überschätzung und ein zu großer Druck. Das gilt auch für den Geschäftsmann: Wenn er nie eine zwecklose Auszeit hat, verliert er die Qualität der Intuition und damit des Kreativen.

Was sollte man beachten, wenn man vor hat zu fasten?

Pater Meinrad: Ich würde nichts wählen, wo ich weiß, das schaffe ich überhaupt nicht. Da setze ich die Latte zu hoch an und hole mir nur Enttäuschung über mich selbst. Das Fasten sollte man an einer Ecke ansetzen, wo ich es mit einer gewissen Chance auch hinbekomme.

Worauf verzichten Sie? 

Pater Meinrad: Meistens auf gar nichts, weil ich es nicht schaffe. Ich bin ein sehr kreativer Mensch und Kunst braucht immer ein wenig Chaos. Daher ist es bei mir immer wieder nötig, Ordnung zu machen. Das braucht Disziplin, der ich mich sonst weniger zuwende.

Zur Person

Pater Meinrad

Pater Meinrad Dufner (69) ist Mönch der Benediktinerabtei Münsterschwarzach (bei Würzburg). Er studierte Philosophie, Theologie und Psychologie in Bonn und Würzburg. Seit seinem 21. Lebensjahr ist er Mitglied der Abtei, wo er heute im Recollectio-Haus tätig ist. Seit mehr als 25 Jahren widmet sich Dufner der Kunst.

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