Mediziner lehnen Aufweichung ab

Schweigepflicht ist Ärzten heilig - Fragen und Antworten

Piloten müssen sich regelmäßig medizinisch untersuchen lassen, um ihre Flugtauglichkeit zu testen. Was die Ärzte diagnostizieren, ist für die Arbeitgeber tabu. Foto: dpa

CDU-Politiker Gerd Fischer hat gefordert, die ärztliche Schweigepflicht für sensible Berufe zu lockern, damit Arbeitgeber über Krankheiten informiert werden. Fragen und Antworten.

Piloten müssen sich regelmäßig von speziell ausgebildeten Fliegerärzten untersuchen lassen. Dürfen diese Ärzte den Arbeitgeber über Krankheiten informieren? 

Nein, sagt Dr. Uwe Beiderwellen, Vize-Präsident des Deutschen Fliegerärzteverbandes. Der Fliegerarzt darf nur das Luftfahrtbundesamt (LBA) informieren, egal, um welche Krankheit es geht.

Das Luftfahrtbundesamt ist für die Lizenzen zuständig. Was passiert dort aufgrund einer solchen Information?

Das Procedere ist nach Auskunft von Beiderwellen genau festgelegt von der Europäischen Agentur für Luftsicherheit (EASA). Beim LBA ist ein Gutachterausschuss eingesetzt mit erfahrenen Fachärzten, die über weitere Maßnahmen entscheiden.

Aber kann in dieser Zeit nicht schon etwas passieren, wenn der Arbeitgeber nicht Bescheid weiß?

Der Arbeitgeber wird vom Fliegerarzt natürlich darüber informiert, dass der Pilot zunächst nicht fliegen darf – aber nicht über die Diagnose. Flugtauglich ist der Pilot erst wieder, wenn er eine neue Bescheinigung darüber hat, so Beiderwellen.

Was ist, wenn ein Pilot zwischen den regelmäßigen Untersuchungen erkrankt? 

Dann ist er nach Auskunft des Fliegerarztes gesetzlich verpflichtet, einen Arzt aufzusuchen. Diese Verpflichtung müssen Piloten auf ihrer Gesundheitsbescheinigung, dem sogenannten Medical, unterschreiben. Sie werden zudem laut Beiderwellen darauf hingewiesen. Wenn ein Pilot zu einem Arzt seiner Wahl geht, die Krankschreibung aber zerreißt, wie im aktuellen Falle, erfährt weder der Arbeitgeber noch das LBA davon.

Letzteres könnte doch durch eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht verhindert werden?

Ein Arzt geht zunächst davon aus, dass der Patient seiner Verpflichtung nachkommt, den Arbeitgeber über die Krankschreibung zu informieren. Alles andere stellte Patienten unter Generalverdacht. Bundesärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery warnt deshalb vor „vorschnellen politischen und rechtlichen Entscheidungen“.

Warum sind Ärzte so strikt dagegen? 

Die ärztliche Schweigepflicht gehört laut Bundesärztekammer zum Kernbereich der Berufsethik. „Ärzte haben über das, was ihnen in ihrer Eigenschaft als Arzt anvertraut oder bekanntgeworden ist, zu schweigen“, heißt es in Empfehlungen der Kammer. Einfach gesagt: Wenn jemand zum Arzt geht, soll er sicher sein können, dass niemand gegen seinen Willen von Krankheiten, psychischen Leiden oder auch Persönlichem erfährt.

Aber es gibt auch Ausnahmen? 

Ja, wenn eine erhebliche Gefahr abgewendet werden muss. Dafür muss es aber konkrete Hinweise geben, entsprechend umstritten ist das Thema juristisch. Es gibt aber eine Meldepflicht für Infektionskrankheiten. Auch wenn ein Arzt Kindesmissbrauch vermute, ist er von der Schweigepflicht befreit. Wer sie ansonsten bricht, begeht eine Straftat und muss auch berufliche Folgen fürchten.

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