Kommentar zum Schweizer Vorstoß gegen Steuerbetrüger: Ein Paradies weniger

Man muss nur vielleicht ein Steuerbetrüger sein, um von der Schweizer Steuerverwaltung als solcher verdächtig gemacht zu werden - und zwar im weltweiten Netz. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Rätselhafte Schweiz: Da verbarrikadieren die Eidgenossen ihr Steuerparadies jahrelang mit Bankgeheimnis und verschachtelten Konten-Konstruktionen. Unvergessen ist, wie der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück der Schweiz deswegen mit der Kavallerie drohte.

Doch nun das: Man muss nicht einmal verurteilt sein, um von der Eidgenössischen Steuerverwaltung weltweit sichtbar als Steuerhinterzieher verdächtig gemacht zu werden. Dafür genügt schon, dass die Verwaltung keine aktuelle Adresse des Gesuchten hat. Dieses Prinzip trifft gleichermaßen Verstorbene wie auch Kunden, die ihre Konten schon vor Jahren geschlossen haben, aber eben auch solche, die sehr wohl eine goldene Nuss in der Schweiz vergraben haben.

Dass dieses bizarre, nach deutschem Recht illegale Verfahren nun erst - drei, vier Jahre später - durch einen Redakteur der Schweizer Sonntagszeitung offengelegt wurde, ändert nichts an der fundamentalen Wende der Schweiz in Steuersachen. Die Verträge sind längst geschlossen: Spätestens 2018 wird die Schweiz allen wichtigen Partnerländern einmal im Jahr die Kontostände von deren Bürgern melden. Steuerparadies Schweiz - das war mal. Jetzt wird saubergemacht. Für alle ehrlichen Steuerzahler ist das eine gute Nachricht. Für die anderen kommt zum Schaden jetzt auch noch der Spott hinzu.

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