Es ist schwer, gut zu sein

Tchibos schwieriger Weg zu besseren Arbeitsbedingungen in den Lieferländern

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Tchibo setzt auf Nachhaltigkeit: Das gilt auch für die Lieferanten. Im Bild ein Zulieferbetrieb aus Asien.

Hamburg. Kleidung und Konsumartikel für den deutschen Markt werden meistens in Schwellen- und Entwicklungsländern hergestellt. Das geht oft einher mit schlechten Arbeits- und Umweltbedingungen. Der Hamburger Handels- und Kaffeekonzern Tchibo bemüht sich, das zu ändern und stößt dabei an Grenzen.

„Wir wollen ein zu 100 Prozent nachhaltiges Unternehmen werden“, meint Unternehmenschef Markus Conrad. „Zum einen, weil wir aufgrund unserer Expertise und auch unserer Größe etwas bewegen können. Zum anderen, weil wir davon überzeugt sind, dass unser zukünftiger wirtschaftlicher Erfolg maßgeblich von einer nachhaltigen Geschäftspolitik profitieren wird.“

Tchibo ist weit vorangekommen, hat das Ziel aber nicht erreicht. Ein Drittel des Tchibo-Kaffees kommt aus nachhaltigem Anbau und trägt ein entsprechendes Zertifikat. 80 Prozent der Textilien sind aus Bio-Baumwolle. Zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Lieferländern, der Regelung von Bezahlung, Arbeitszeiten, Sicherheit und Gesundheit setzt Tchibo auf ein Trainings- und Dialogprogramm mit dem Namen „Weltweite Verbesserung der sozialen Qualität“ (WE). Bei dem Programm arbeiten Manager und Beschäftigte gemeinsam an Lösungen.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Social Auditing nicht alles aufdeckt“, sagt Nanda Bergstein, bei Tchibo verantwortlich für Lieferantenbeziehungen und Nachhaltigkeit. Gemeint ist: Spezialisierte Dienstleister prüfen Sozialstandards in den Unternehmen - in Bangladesch, Vietnam oder Kambodscha.

Doch: „Diese Dienstleister haben oft eigene kommerzielle Interessen; da ist eine ganze Branche entstanden“, sagt Berndt Hinzmann von der Initiative für saubere Kleidung. Die Prüfer werden gern getäuscht und hinters Licht geführt. Etliche Organisationen bemühen sich um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Lieferländern. letztlich will sich kein Unternehmen hierzulande Ausbeutung, überlange Arbeitszeiten und unzureichende Sicherheitsbedingungen in seinen Herstellerbetrieben nachsagen lassen. Doch nach wie vor sind die Standards niedriger als in den Industrienationen. So stiegen in den Betrieben im WE-Programm zwar die Löhne um 30 bis 50 Prozent, aber ein existenzsicherndes Niveau wird damit nicht erreicht.

Es sei für Unternehmen in Industrieländern nicht leicht, ihre Lieferanten lückenlos zu kontrollieren - so auch die Erkenntnis bei Tchibo: Das Unternehmen wird von 1200 asiatischen Unternehmen beliefert. Davon sind 320 Firmen im WE-Programm, die 75 Prozent aller Tchibo-Produkte herstellen.

Doch die WE-Programme stoßen an Grenzen. Im Idealfall werden Lösungen für bessere Arbeitsbedingungen gefunden. Entscheidend sei aber die Bereitschaft der Eigentümer sich darauf einzulassen. Tchibo-Managerin Bergstein: „Ihr Wort ist Gesetz.“ (dpa)

Hintergrund

Beim Kaffeeröster Tchibo sind 2014 Umsatz und Gewinn zurückgegangen. Der Erlös ging um 2,7 Prozent auf 3,47 Milliarden Euro zurück. Das Hamburger Unternehmen begründete dies mit einem schwächeren Geschäft bei Gebrauchsartikeln, Umsatzrückgängen in den Filialen sowie Einbußen in Osteuropa. Im laufenden Geschäftsjahr soll durch die Bereiche Online-Handel, Kaffee und Einzelportionssysteme ein leichtes Umsatzwachstum erreicht werden, schreibt der Vorstand im Geschäftsbericht der Maxingvest AG, der Dachgesellschaft, zu der auch der Kosmetikhersteller Beiersdorf gehört. Bei Tchibo blieb 2014 das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) mit 191 Millionen Euro unter den Vorjahreswert von 220 Millionen Euro. Begründet wird der Rückgang mit höheren Einkaufspreisen für Rohkaffee und Gebrauchsartikel sowie erhöhten Aufwendungen für Neueinführungen. 2014 beschäftigte Tchibo rund 12 500 Mitarbeiter. (dpa)

Von Eckart Gienke

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