Große Pläne mit „Jamaika“

Deshalb sind die Grünen plötzlich so sexy für Seehofer

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Seehofer auf Flirtkurs mit den Grünen: Für die CSU gehe es um eine Existenzfrage. 

Bisher hörte man von Seiten der CSU viel Skepsis, was eine Koalition mit den Grünen angeht. Für Ministerpräsident Seehofer wäre ein solches Bündnis aber eine Chance. 

München/Berlin - Eine Jamaika-Koalition ist für die CSU nach Ansicht von Parteichef Horst Seehofer eine attraktive Perspektive. Ein Regierungsbündnis mit Grünen und FDP könne „eine Chance für die CSU sein“, sagte der bayerische Ministerpräsident dem Magazin Stern

Städter seien liberal und grün

Die CSU dürfe zwar niemals die Menschen in den ländlichen Regionen vergessen, „aber es geht auch um unsere Anschluss- und Dialogfähigkeit zu den modernen, urbanen Milieus“. Diese seien zumindest liberal und grün angehaucht. „Wir müssen als Volkspartei Fühlung zu diesen Menschen halten. Insofern kann Jamaika auch ein Chance für die CSU sein.“

Die CSU hat eine Großstadt-Schwäche

Seehofer betonte im Stern-Interview, dass die CSU bei der Bundestagswahl vor rund einem Monat vor allem in den Ballungsräumen schlecht abgeschnitten habe. „Wir haben ein riesen Großstadt-Problem, das kann auf Dauer zur existenziellen Bedrohung für die CSU werden“, befürchtet der Ministerpräsident. 

Die Zweitstimmen-Ergebnisse der Bundestagswahl 2017 bestätigen diese Zukunftsprognose: 

  • In München kam die CSU nur auf 30%, die Grünen auf 17,2% noch vor der SPD mit 16,2%. Auf Platz 4: Die FDP mit 14,2%. Für die Christsozialen war das ein Minus von 6,8 Prozentpunkten. 
  • In Nürnberg holte die CSU lediglich 28,9%. Ein sattes Minus von 8,2 Prozentpunkten. Die Grünen und FDP gewannen dazu auf 12,4% bzw. 9,6%.
  • Auch in Augsburg verloren die Christsozialen ebenfalls und kamen auf nur noch 31,8%. Die Grünen und die FDP holten auch in dieser Großstadt zweistellige Ergebnisse.  

Die Ergebnisse sind klar: In den drei größten Städten Bayerns waren die Christsozialen zwar die stärkste Partei und gewannen die Direktmandate, aber schafften nur mit Mühe die 30%-Marke. In Nürnberg fielen sie sogar darunter. In ganz Bayern kam die Bayern immerhin auf 38,8%, ein Minus von 10,5 Prozentpunkten. 

Auch bei den Kommunalwahlen 2014 war die Lage in den Großstädten für die Christsozialen düster: In nur zwei der zehn größten Städte des Freistaates regiert ein CSU-Oberbürgermeister. In Würzburg mit  Christian Schuchardt immerhin ein Mann mit CDU-Parteibuch. Die SPD konnte dafür Regensburg und Erlangen gewinnen. 

Seehofer: Die SPD hat es besser gemacht

Massiv kritisierte Seehofer das Verhalten zahlreicher, auch einflussreicher Mitglieder seiner Partei, die ihn seit Wochen auffordern, den Weg für seine Nachfolge in den Ämtern des CSU-Chefs und bayerischen Ministerpräsidenten frei zu machen: „Andere haben nach der Bundestagswahl klüger reagiert“, betonte Seehofer. „Die SPD ist zusammengerückt und hat weiter gekämpft. Und drei Wochen später haben die Genossen die Wahl in Niedersachsen gewonnen.“

Seehofers „Flirt“ mit den Grünen passt gar nicht zu den Tönen, die man am Mittwoch von CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer hörte, der sogar mit einer Ablehnung einer Jamaika-Koalition drohte. Auf das große Streitthema Zuwanderung geht auch der CSU-Vorsitzende im Gespräch mit dem Stern ein. Eine Jamaika-Koalition sei „ein Werkstück, das viel Geduld erfordert“. So könne er in der Flüchtlings- und Einwanderungspolitik bei den Verhandlungen kaum Zugeständnisse machen. „Unser Spielraum ist da sehr gering“, sagte der CSU-Chef.

mag mit Material von der dpa

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