Preisverfall auf dem Milchmarkt

Interview mit Landwirtschaftsminister: "Sehe Trend nach unten mit Sorge“

Berlin. Die Milchpreise sinken - droht ein Aufstand der Bauern? Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) warnt davor, eine Milchkrise herbeizureden. Davon sei man noch weit entfernt, so der Minister im Gespräch mit unserer Zeitung.

Herr Minister, der Milchpreis sinkt und sinkt - wie kann der Preisverfall gestoppt werden? 

Christian Schmidt: Die aktuelle Marktlage stellt die Milcherzeuger vor Herausforderungen und ich sehe den Trend nach unten mit Sorge. Wesentlicher Hintergrund dafür sind die in Deutschland und Europa deutlich gestiegene Milchproduktion, das russische Importembargo und die Kaufzurückhaltung anderer Abnehmerländer. Vor diesem Hintergrund ist die Wirtschaft gefordert.

Inwiefern? 

Schmidt: Produktinnovationen und Markenbildung spielen eine wichtige Rolle. Die Bundesregierung unterstützt diesen Prozess, indem sie intensiv daran arbeitet, bestehende Handelshemmnisse vor allem im Veterinärbereich abzubauen, um dadurch eine Verbesserung des Marktzugangs zu Drittstaaten zu erreichen. Der Milchwirtschaft stehen außerdem auch die übrigen Maßnahmen der Exportförderung meines Ministeriums zur Verfügung.

Nutzt der Preisverfall dem Verbraucher?

Schmidt: Eine Preisspirale nach unten hilft niemandem, weder den Erzeugern noch den Konsumenten. Ich appelliere an die Verantwortung aller Beteiligten. Milch und Milcherzeugnisse sind ihren Preis wert. Die Menschen wollen unsere gute Milch aus Deutschland, deswegen müssen die Preise wirtschaftlich darstellbar sein.

Die Milchbauern drohen aber bereits mit Massenprotesten und mit einem Milchstreik aus Angst um ihre Existenz. Können Sie Hilfen zusagen? 

Schmidt: Die Europäische Kommission beobachtet den Markt sehr genau. Dann wird überlegt, ob die vorhandenen Instrumente zur Intervention eingesetzt werden. Wir sollten jetzt keine Milchkrise wie 2009 herbeireden. Davon sind wir weit entfernt. Und: Ein Milchstreik hilft niemandem und ändert die Marktlage nicht. Für die Absicherung der Betriebe wurde im Zuge der Agrarreform bereits viel getan. Vor allem die Direktzahlungen aber auch die Prämie für kleinere und mittlere bäuerliche Betriebe sind für die Milchbauern von großer Bedeutung. Durchschnittlich erhält jeder Landwirt eine Prämie von rund 300 Euro pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche.

Was kann der Verbraucher tun? 

Schmidt: Die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher ist entscheidend auch für die Erlöse und die Einkommen der Milcherzeuger. Die Erfüllung gesellschaftlicher Leistungen wie die Kulturlandschaftserhaltung auf Grünlandstandorten oder unsere hohen Tierwohlstandards sind nicht zum Nulltarif zu erhalten. Die Menschen wollen die hochwertige Milch aus Deutschland, diese muss dem Verbraucher aber auch ihren Preis wert sein.

Zur Person

Christian Schmidt (57), Jurist aus Bayern und seit 1974 in der CSU, wurde nach der Bundestagswahl 2013 BUndeslandwirtschaftsminister. Zuvor war er Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Schmidt ist drittes und jüngstes Kind einer Bäckerfamilie. Mit seiner Frau Ria ist er seit 1989 verheiratet. Die beiden haben zwei Töchter.

Von Hagen Strauß

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