In Goslar tritt der Nörtener Christian Eberl gegen Oliver Junk an

FDP-Mann mit rot-grünem Rückenwind: Christian Eberl vor dem Goslarer Rathaus. Foto: dapd

Goslar. Die Bergwerksanlagen des Unesco-Weltkulturerbes Rammelsberg sind nicht das Ziel von Christian Eberl, dem vor drei Jahren im Streit von Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander gefeuerten Staatssekretär.

Der gemeinsame Oberbürgermeister-Kandidat von FDP, SPD und Grünen hat einen Wahlkampftermin im benachbarten Theresienhof, einer Wohn- und Betreuungsanlage für 135 Senioren, darunter viele Demenzkranke. Erst informiert Heimleiterin Kirsten Bittner den promovierten Forstwissenschaftler über Pflegesätze und Tarifdumping. Dann folgt in den Speiseräumen das obligatorische Händeschütteln. „Guten Appetit“, wünscht der 57-Jährige artig. Und: „Bitte gehen Sie am 11. September wählen.“ Die älteren Damen und Herren lächeln, echte Dialoge kommen kaum zustande. „Vor 14 Tagen war der CDU-Kandidat hier“, gibt die Heimleiterin Eberl mit auf den Weg.

Will Chef im Goslarer Rathaus werden: CSU-Import Oliver Junk aus Bayern.

CDU-Kandidat? Auf den offiziellen Wahlzetteln wird Oliver Junk als Einzelbewerber geführt, hinter Eberl und drei weiteren Konkurrenten. Das niedersächsische Kommunalwahlgesetz verbietet Parteien, Bewerber mit einem anderen Parteibuch aufzustellen. Der 35-jährige promovierte Rechtsanwalt ist CSU-Kreisvorsitzender in Bayreuth und Chef der dortigen CSU-Stadtratsfraktion. Und CSU ist eben nicht CDU. Seine Flyer und Plakate führen natürlich das CDU-Logo. „Goslar wird Junk“, versprechen sie.

Dafür begibt sich der gebürtige Hesse gern mit Blue Jeans und Polo-Shirt in den „Häuserkampf“, wie er selbst scherzhaft formuliert. Klinkenputzen im Goslarer Stadtteil Ohlhof, in dem viele Einzelhäuschen von einem bescheidenen Wohlstand zeugen. Trotz Mittagsschläfchen-Zeit reagieren die meisten Leute wohlwollend: „Machen Sie’s besser als der Vorherige.“

Vorzeitige Abwahl

Noch immer leidet die 41000-Einwohner-Stadt am Harz unter der Ära des ehemaligen SPD-Bürgermeisters Henning Binnewies. Als selbstherrlich im Umgang mit Bürgern, Rat und Verwaltung galt dieser; zudem warfen ihm Kritiker ein undurchsichtiges Finanzgebaren vor. Im April schickten die Goslarer Bürger mit 87 Prozent ihr eigentlich bis 2014 gewähltes Stadtoberhaupt vorzeitig in die Wüste.

Es folgte eine mühselige Kandidatenkür. Mehr oder weniger dankbar nahmen SPD und Grüne das Angebot der FDP an, Eberl aufzustellen, der aus Nörten-Hardenberg (Landkreis Northeim) kommt. Bei Rot-Grün genießt der Solarfirmen-Lobbyist und Umweltverbandsfunktionär allein schon wegen seines Zerwürfnisses mit Sander einen guten Ruf. Eberls Visionen von Goslar als Mekka der erneuerbaren Energien schaden da natürlich auch nicht.

Die CDU wurde schließlich nach einem bundesweiten Casting in den Parteinetzwerken fündig. Jung, Jurist, offenes Wesen, kommunale Erfahrungen - Junk erfüllte die gewünschten Bedingungen. Seine Frau stammt aus Walkenried im Nachbarkreis Osterode, die Harzer Mentalität ist ihm also nicht fremd.

Dass er dennoch ein Fremdgewächs ist, sieht Junk eher als Vorteil: „Die Menschen in Goslar sehnen sich nach einem Neuanfang.“

Von Peter Mlodoch

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