Sein wichtigster Einsatz: Kapitän startet Rettungsmission für Flüchtlinge

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Eigeninitiative: Kapitän Klaus Vogel mit dem Rettungsschiff an der Pier des Jade-Dienstes in Wilhelmshaven. Heute soll die „Aquarius“ aufbrechen, um dann vom italienischen Lampedusa aus Flüchtlingen in Seenot beizustehen.

Bremerhaven. Lange hat Kapitän Klaus Vogel sorgenvoll die Ereignisse im Mittelmeer verfolgt. Die immer neuen Schreckensnachrichten von Flüchtlingen, die die Überfahrt nach Europa nicht überlebten, machten den gebürtigen Hamburger betroffen.

Nachdem die italienische Marine ihre Operation „Mare Nostrum“ zur Flüchtlingsrettung nach nur einem Jahr einstellte, war für ihn klar: „Ab jetzt sterben noch mehr Menschen.“ Tatenlos zusehen wollte er nicht. Er beschloss, selbst in seinem wohl wichtigsten Einsatz Flüchtlinge in maroden Booten aus dem Meer zu ziehen.

Vogel, der die letzten 15 Jahre auf Handelsschiffen zur See gefahren ist, schrieb dafür ein Konzept und begeisterte viele Menschen für seine Idee.

Mit der Französin Sophie Beau gründete der 59-Jährige den Verein „SOS Méditerranée“ und sammelte rund 750 000 Euro ein, um zunächst für drei Monate ein Schiff chartern und damit Leben retten zu können. Dafür kündigte er seinen gut bezahlten Job bei der Reederei Hapag Lloyd. „Das Mittelmeer darf kein Friedhof für Flüchtlinge bleiben“, sagt Vogel, der nicht nur das Kapitänspatent hat, sondern auch den Doktor in Geschichte.

Heute steuert er die „Aquarius“ von Bremerhaven aus Richtung Mittelmeer. „Viele sind stark unterkühlt und unterernährt oder haben Atemwegsprobleme“, sagt Francois De Keersmaeker, Direktor der Organisation „Ärzte der Welt“ über Flüchtlinge in Seenot. Vor allem die Kinder seien geschwächt. Im Gegensatz zu „Ärzte ohne Grenzen“, die bereits Tausende von Menschen aus Seenot gerettet haben, ist es für „Ärzte der Welt“ der erste Einsatz auf hoher See. Angesichts der steigenden Zahl an Tragödien sei klar gewesen, dass sich das Engagement nicht auf das Land beschränken könne, so De Keersmaeker.

Das Team der „Aquarius“ sucht vor allem zwischen Libyen und Italien nach Booten. Werden Flüchtlinge gefunden, will Klaus Vogel sie so schnell wie möglich ans Festland fahren. „Die Rettungsleitstelle in Rom sagt uns, wo wir sie hinbringen sollen.“ In der Regel würden die Menschen nach Kalabrien oder Sizilien gebracht. Vogel ist sich bewusst, dass er viel Leid sehen wird. „Das sind Noteinsätze, die fordern, die aber auch Kraft geben, weil man viele Menschen rettet“, betont der Wahl-Berliner.

Ziel des Vereins sei es, dauerhaft eine zivile Seenotrettung im Mittelmeer zu etablieren. Da nationale Alleingänge nicht sinnvoll seien, habe der deutsche Verein „SOS Méditerranée“ inzwischen auch ein französisches Pendant und bald ein italienisches. So werde die Basis dafür geschaffen, die Rettungsaktionen nicht nach nur drei Monaten beenden zu müssen. „Ich hoffe, dass wir genug Geld sammeln können, um weiter zu machen“, sagt Vogel. „Denn die Lage wird tendenziell eher schlimmer.“

Hintergrund: Im Notfall bis zu 500 Flüchtlinge an Bord

Das mit Schnellbooten, Rettungsinsel und Krankenstation ausgestattete Schiff „Aquarius“ ist 77 Meter lang und kann 200 Flüchtlinge an Bord nehmen. „Im Notfall auch bis zu 500“, sagt Kapitän Klaus Vogel. Darin unterscheidet es sich von der „Sea Watch I“, einem ebenfalls privaten Seenotrettungsschiff. Die „Sea Watch I“ kann Flüchtlinge nicht an Bord aufnehmen, sondern nur auf Rettungsinseln versorgen. Der Verein sammelt zurzeit Spenden für ein größeres Schiff. An Bord der „Aquarius“ kümmert sich ein Team aus Ärzten, Krankenschwestern und einem Dolmetscher um die Flüchtlinge. (dpa)

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