Interview: Rechtsanwalt Jan Thomas Ockershausen empfiehlt Klarheit im Testament

Testament: „Selbst verfassen ist riskant“

Rechtsanwalt Jan Thomas Ockershausen empfiehlt, das Testament beim Amtsgericht zu hinterlegen. Foto: dpa

Anlässlich eines Themenabends in Göttingen zum richtigen Vererben haben wir Jan Thomas Ockershausen, Rechtsanwalt für Erbrecht, gefragt, worauf dabei zu achten ist.

Herr Ockershausen, wann ist der beste Zeitpunkt, sein Testament zu verfassen?

Jan Thomas Ockershausen: Auf jeden Fall dann, wenn man ein gewisses Vermögen erworben hat. Darüber hinaus sollte die Familienplanung weitestgehend abgeschlossen sein. Zu bestimmten Zeitpunkten sollte man das Testament noch einmal überdenken. Das kann bei einer Scheidung oder beim Tod des Ehepartners der Fall sein.

Wie wird ein Testament richtig verfasst?

Ockershausen: Zuerst sollte man sich überlegen, ob man überhaupt ein Testament benötigt. Gibt es nur einen gesetzlichen Erben, der alles bekommen soll, ist das hinfällig. Man sollte auf jeden Fall klare Formulierungen wählen. Am wichtigsten ist es, einen Erben zu bestimmen. Zwei bis drei Sätze sollten klären, was man sich bei dem Erbe gedacht hat. Ein Testament selbst zu verfassen halte ich für ein großes Risiko. Es ist natürlich möglich, aber ich empfehle, sich einen Fachanwalt für Erbrecht zu nehmen.

Was kostet es, sich ein Testament anfertigen zu lassen? 

Ockershausen: Das ist Verhandlungssache. Hat man ein Ein-Familien-Haus und ein wenig Vermögen, kostet die Anfertigung etwa 1000 Euro.

Wo sollte ich das Testament aufbewahren? 

Ockershausen: Das sicherste ist, sich zum Amtsgericht zu begeben. Dort wird es aufbewahrt und dann auch eröffnet. Versteckt man es Zuhause, besteht die Gefahr, dass es nicht gefunden wird. Oder die falsche Person findet es. Man stelle sich vor, man habe zwei Söhne und beerbt nur einen. Und dann findet der enterbte Sohn das Testament.

Wie wird das Erbe versteuert? 

Ockershausen: Das kommt darauf an, wen ich beerbe. Es gibt verschiedene Gruppen. Die Kinder beispielsweise haben einen Freibetrag von 400 000 Euro, die Ehefrau einen von 500 000 Euro. Dieser muss dann nicht versteuert werden. Alles darüber hinaus wird mit verschiedenen Sätzen versteuert, je nachdem wie hoch das Vermögen ist. Bin ich nicht mit dem Erblasser verwandt, liegt der Freibetrag bei 20 000 Euro.

Worauf muss ich beim Vererben eines Hauses achten? 

Ockershausen: Bei Immobilien, aber auch bei anderen Wertgegenständen ist es sinnvoll, letztwillig genau zu verfügen, wer was bekommen soll. Ansonsten kann eine eventuell entstehende Erbengemeinschaft nur gemeinschaftlich über diese Gegenstände verfügen. Wenn sich hier keine Einigkeit erzielen lässt, werden die Wertgegenstände in letzter Konsequenz zwangsversteigert.

Wer erbt automatisch?

Ockershausen: Wenn ich kein Testament mache, erben die Abkömmlinge. Das sind die Erben erster Ordnung. Die Erben zweiter Ordnung sind dran, wenn keine Erben erster Ordnung da sind, das sind dann die Eltern. Die Ehefrau erbt neben den Kindern zur Hälfte und, falls keine Kinder mehr da sind, neben den Eltern zu Dreivierteln. Ist ein Testament vorhanden, schließt das die gesetzliche Erbfolge weitestgehend aus. Ich kann also auch eine gemeinnützige Institution als Erbe bestimmen.

Kann man an gemeinnützige Institutionen vererben? 

Ockershausen: Grundsätzlich kann der Erblasser frei bestimmen, wer etwa haben soll. Angehörige, wie Eltern, die Ehefrau und Kinder haben allerdings einen Pflichtteilsanspruch. Dessen Höhe beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Eine gemeinnützige Institution, die erben soll, sollte man genau benennen. Es ist nicht ausreichend, wenn etwa im Testament steht, dass „die Armen“ erben sollen.

Können auch Schulden vererbt werden? 

Ockershausen: Ja. Das kann dazu führen, dass Erben diese Schulden sogar aus ihrem eigenen Vermögen begleichen müssen. Wenn ein Erbteil also hoch verschuldet ist, sollte man darüber nachdenken, das Erbe auszuschlagen.

Von Leona Nieswand 

Zur Person

Jan Thomas Ockershausen (45) hat Rechtswissenschaften an den Universitäten Heidelberg und Göttingen studiert. Seit 2008 ist er Rechtsanwalt für Erb-, Arbeits- sowie Bau- und Architektenrecht in der Kanzlei Menge Noack. Er lebt in Göttingen. (lin)

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