Häufiger an Unfällen beteiligt

Senioren am Steuer: Forscher fordern Pflichttests zur Fahrtüchtigkeit

Die Zahl der Senioren am Steuer steigt. Gesundheitliche Probleme und die hohe Verkehrsdichte machen vielen zu schaffen. Forscher fordern daher verpflichtende Tests der Fahrtüchtigkeit. Fragen und Antworten.

Hat ein Pkw-Führerschein in Deutschland eine unbegrenzte Gültigkeit?

Die neuen Führerscheine im Scheckkartenformat, die seit dem 19. Januar 2013 vergeben werden, sind nur noch für 15 Jahre ausgestellt. Auch die alten grauen „Lappen“, die früher unbegrenzt gültig waren, verfallen nach Angaben des ADAC spätestens im Jahr 2033. Dann müssen sie gegen Neue getauscht werden. 

Der Austausch ist aber, so der ADAC, eine Formsache. Der Besitzer muss lediglich ein neues Foto liefern und die Kosten für die Erstellung eines neuen Dokuments von zurzeit 24 Euro tragen. Eine Pflichtuntersuchung des Führerscheininhabers ist in Deutschland nicht nötig. Das alte Dokument verliert zwar seine Gültigkeit, nicht aber die eigentliche Fahrerlaubnis. Andere Regelungen gibt es für Lkw- und Busführerscheine.

Warum müssen die Führerscheine dann überhaupt getauscht werden?

Das regelt das EU-Recht. Angestrebt wird eine EU-weite Erfassung. Außerdem sollen die Dokumente dank moderner technischer Methoden fälschungssicherer als bisher werden. Schließlich sorgt das Verfallsdatum für aktuellere Fotos. Auf den alten „Lappen“ von früher sind meist Jugendbilder der Besitzer, denen Senioren überhaupt nicht mehr ähneln.

Sind Senioren häufiger an Unfällen beteiligt als andere Altersgruppen?

Ja. Die Risikogruppen sind nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes ältere Fahrer über 75 Jahre und Jüngere unter 21. Die Fahrer jenseits der 75 haben drei von vier Unfällen mit Toten und Verletzten, an denen sie beteiligt waren, auch verschuldet. Nach Darstellung der Deutschen Verkehrswacht hatten bereits Pkw-Lenker über 64 Jahre bei zwei Drittel der Unfälle die Hauptschuld an dem Crash.

Welche Fehler machen ältere Fahrer am meisten?

Die häufigsten Unfallursachen bei den Senioren waren laut Verkehrswacht Vorfahrtsfehler (17,6 Prozent) sowie Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren (16,6 Prozent).

Andere Gründe, die vor allem bei jüngeren Fahrern zu Unfällen führten, wie Abstandsfehler, falsches Verhalten gegenüber Fußgängern oder nicht angepasste Geschwindigkeit, spielten bei Senioren eine eher geringe Rolle.

Gibt es in Deutschland verpflichtende Tests über die Fahrtüchtigkeit von Senioren?

Nein. Weder Politiker noch Autoclubs möchten ältere Fahrer zwingen, das Auto stehen zu lassen. Sie appellieren an deren Eigenverantwortung. Angeboten werden freiwillige Fahrfitness-Checks (siehe Artikel unten). 3300 ältere Autofahrer haben im vergangenen Jahr in Deutschland an solchen Feedbackfahrten mit Experten der Autoclubs ADAC und ACE teilgenommen. 

Der Mitfahrer gibt Tipps und Empfehlungen, den Führerschein einziehen kann er selbst bei groben Fahrfehlern aber nicht. Seine Beurteilung wird auch nicht an die Behörden gemeldet. Unfallforscher der Versicherer fordern eine verpflichtende Feedbackfahrt für alle Fahrer ab 75 Jahren.

Welche Probleme haben ältere Menschen genau?

Viele haben Probleme mit den Augen. Weil sie weniger sehen, fahren sie unsicherer. Manche hören schlechter, reagieren langsamer, können nicht mehr über die Schulter schauen. Auch einige Medikamente beeinträchtigen die Fahrt. Nach Ansicht von Unfallforschern und Versicherern kommt ab und zu auch mangelnde Einsicht und Akzeptanz hinzu, dass der Körper nicht mehr so will und kann wie wenige Jahre zuvor.

Können moderne Assistenzsysteme Abhilfe schaffen?

Rein technisch können das Abstandswarner, Spurhalteassistenten und Co. Allerdings haben Experten die Erfahrung gemacht, dass schrille Töne und plötzliches Piepen vieler Assistenzsysteme Senioren verwirren können. Sie sind Eingriffe des Autos in ihr Fahrverhalten nicht gewöhnt.

Was spricht dafür, dass Senioren Auto fahren?

Positiv wirkt sich ihre lange Fahrpraxis aus. Viele fahren vorsichtiger und überlegter als Jüngere. Das belegt eine Studie des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung. Schließlich ermöglicht ein Auto Mobilität und Unabhängigkeit – auf dem Land nicht zu unterschätzen.

Rubriklistenbild: © Felix Kästle/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.