Fragen und Antworten

Servicestellen: Der kurze Draht zum Arzttermin

Frankfurt. Die neuen Terminservicestellen sind dazu da, Kassenpatienten binnen vier Wochen einen Termin bei einem Experten zu verschaffen. Klingt gut, hat aber ein paar Haken.

Wie funktionieren die Terminservicestellen? 

Der Patient braucht vom Hausarzt eine dringende Überweisung mit einer Codenummer. Dann ruft er die Servicestelle 069/400 50000 an. Die Mitarbeiter bieten ihm innerhalb einer Woche einen Termin bei einem Experten an. Die Wartezeit zwischen Anruf und Termin soll maximal vier Wochen betragen.

Und wenn es doch nicht klappt? 

„Sollte die Terminservicestelle keinen Termin bei einem niedergelassenen Facharzt anbieten können, vermittelt sie Ihnen einen ambulanten Behandlungstermin in einem Krankenhaus“, heißt es auf der Infoseite für Patienten im Internet.

Wer darf sich an die Terminservicestelle wenden? 

Der Service ist für dringende Fälle gedacht. Die KV Hessen geht davon aus, dass rund ein Drittel aller Überweisungen dringend sind. Bagatellerkrankungen und Routineuntersuchungen sind ausgenommen. Für einen Termin bei einem Frauen- oder Augenarzt braucht man keine Überweisung, darf aber trotzdem den Service in Anspruch nehmen, für Zahnärzte, Kieferorthopäden und Psychotherapeuten nicht.

Wie weit darf der Facharzt entfernt sein? 

Für die allgemeine fachärztliche Versorgung darf der Weg maximal 30 Minuten länger sein als zum nächstgelegenen Mediziner dieser Fachrichtung. Darunter fallen: Augenarzt, Frauenarzt, Hautarzt, HNO, Neurologe, Orthopäde, Urologe, Chirurg. Für andere Spezialisten (etwa Radiologen) gelten bis zu 60 Minuten mehr als zumutbar.

Was bemängeln die Kritiker? 

„Pure Augenwischerei“, sagt der Präsident der Landesärztekammer, Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach: In dringenden Fällen bekämen Patienten auch jetzt schon schnell einen Facharzttermin, indem der Arzt einfach seinen Kollegen anruft. Der Hausärzteverband kritisiert, dass die Regelung keine zusätzlichen Spezialisten-Termine schaffe, keine kürzeren Wartezeiten, aber zusätzliche Bürokratie.

Welchen Haken hat die Sache für die Patienten? 

„Ein Anspruch auf einen bestimmten Arzt besteht nicht“, sagt das Gesundheitsministerium. Wer den Service nutzt, verwirkt also freiwillig sein Recht auf freie Arztwahl.

Wie lang sind die Wartezeiten für Patienten derzeit? 

Terminnöte seien Einzelfälle, sagt die KV Hessen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung: „Während in Deutschland nur 7 Prozent der Patienten länger als zwei Monate auf einen Facharzttermin warten mussten, sind es in Schweden und Norwegen ein Drittel.“

Was würde wirklich die Wartezeit verkürzen? 

Der Sozialverband VdK: „Solange es für Ärzte lukrativer ist, Privatpatienten zu behandeln und individuelle Gesundheitsdienstleistungen zu erbringen, werden gesetzlich Versicherte benachteiligt bei der Terminvergabe bleiben.“

Das Versorgungsstärkungsgesetz

Das „Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung“ (Versorgungsstärkungsgesetz) ist am 23. Juli 2015 in Kraft getreten. „Das Gesetz zielt darauf ab, auch in Zukunft eine gut erreichbare medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten auf hohem Niveau sicherzustellen“, heißt es beim Bundesgesundheitsministerium.

Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) Terminservicestellen einrichten müssen. Sie sollen Patienten bei der Suche nach einem Facharzt helfen. Die KVen haben dafür bis zum 23. Januar Zeit.

Hotline: 

Vom 25. Januar an hilft eine Telefonzentrale Kassenpatienten bei der Suche nach einem Facharzt in Hessen. Die Mitarbeiter vermitteln unter der Nummer

069/40050000 binnen vier Wochen einen Termin beim Facharzt oder, falls das nicht klappt, im Krankenhaus. Die Servicestelle ist erreichbar montags bis donnerstag von 9 bis 16 Uhr, freitags von 9 bis 14 Uhr.

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