Es geht um das Luxemburger Steuersparmodel

EU setzt Amazon unter Druck - Es drohen Nachzahlungen

Strategiewechsel: Der weltgrößte Internet-Versandhändler, hier Amazon-Chef Jeff Bezos, versteuert seit Mai in Deutschland. Foto: dpa

Internethändler Amazon hat vom Luxemburger Steuersparmodell profitiert. Nun kündigt das Unternehmen die Kehrtwende an und verbucht seine deutschen Verkäufe nicht mehr in Luxemburg, sondern in Deutschland. Fragen und Antworten.

Wie konnte es sein, dass Amazon bisher Gewinne nicht bei uns versteuert hat?

Bislang verbuchte Amazon seine deutschen Umsätze über die Konzerntochter Amazon EU S.à.r.l. in Luxemburg, der Konzern hatte dort ein Steuersparmodell aufgesetzt. Das Steuerabkommen vom Jahr 2003 legte fest, dass Amazon den Großteil des Profits innerhalb der EU in Luxemburg verbucht, er dort aber nicht oder nur in sehr geringem Umfang besteuert wird. Amazons Zentrale EU S.à.r.l überweist den Großteil der Gewinne an eine andere Firma im Großherzogtum: die Amazon Europe Holding Technologies. Als steuerbefreite Partnerschaft muss sie laut Handelsblatt null Prozent Steuern zahlen.

Welche Rolle spielt der deutsche Markt?

Deutschland ist der wichtigste Markt für Amazon außerhalb der USA. Laut Handelsblatt erzielt der weltgrößte Internethändler ein Drittel der Umsätze zwischen Rhein und Oder. 2014 wuchsen die Umsätze in Deutschland um 13 Prozent auf 10,82 Milliarden Euro. In neun Logistikzentren, darunter Bad Hersfeld, beschäftigt Amazon über 10 000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. Der Einzelhandelsverband schätzt, dass Amazon fast ein Viertel des deutschen Online-Versandhandels kontrolliert.

Nun kündigte Amazon an, seinen Umsatz seit Mai auch in Deutschland zu versteuern. Woher kommt der Sinneswandel?

!Amazon ist unter Druck. Die EU-Kommission prüft, ob Amazons Luxemburger Steuermodell legal war und die zu versteuernden Gewinne der europäischen Töchter zu niedrig angesetzt sind. Sollte die Kommission die gewährten Vorteile als unerlaubte Beihilfen werten, könnten sie von Amazon Nachzahlungen verlangen. Dies gilt auch trotz der mittlerweile geänderten Steuerpraxis des US-Konzerns, der seit zwei Jahren Landesfilialen gegründet hat, über die nun direkt abgerechnet wird. In Brüssel wird zudem nach Angaben aus Kommissionskreisen geplant, dass die Steuersätze in Europa künftig transparent und fair sein sollen. Firmen sollen dort Steuern zahlen, wo ihre Gewinne anfallen.

Kann der deutsche Fiskus also mit höheren Einnahmen rechnen?

Nicht unbedingt. Denn die wichtigste Unternehmenssteuer, die Körperschaftssteuer, wird nicht auf den Umsatz, sondern auf den Gewinn erhoben. Gewinne machte Amazon in der Vergangenheit aber kaum, weil das Unternehmen seine Einnahmen meist direkt wieder massiv in den Ausbau des Geschäfts investiert. Zuletzt wiesen die Amerikaner weltweit 241 Millionen Dollar Verlust aus. (rie/dpa)

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